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"Porträt einer jungen Frau in Flammen" 2019

 
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Fr Nov 08, 2019 9:27 am    Titel: "Porträt einer jungen Frau in Flammen" 2019 Antworten mit Zitat

"Porträt einer jungen Frau in Flammen" 2019 (Regie: Céline Sciamma)

Da der Film in Cannes "Best Screenplay" abgeräumt hatte, läuft er derzeit ziemlich massiv mit zahlreichen Vorstellungen in Freiburg. Ähnlich wie bei dem Fall, als sich zeigte, dass "The Favourite" bei den Oscars erfolgreich sein würde.

Handlung:
Frankreich im 18. Jh. (die Jahreszahl wird im Film nicht erwähnt, andernorts wird 1770 angegeben). Die Malerin Marianne (Noémie Merlant) erzählt ihren Schülerinnen von einem Erlebnis vor ein paar Jahren, als eine von ihnen ein [m.E. lächerlich schlecht gemaltes] Bild von ihr hervorholt.
Vor ein paar Jahren kam sie auf eine Insel in der Bretagne. Das Schloss ihrer Auftraggeberin wirkt herruntergekommen und zeigt die Armut der Familie. Es gibt nur eine Dienstbotin, die hübsche Magd Sophie (Luàna Bajrami), welche die Malerin langsam über die dunklen Seiten ihrer Herrschaft aufklärt. Héloïse (Adèle Haenel), die Tochter der Gräfin (Valeria Golino) will nicht gemalt werden, was bereits einen Porträtisten vertrieben hatte. Die Gräfin wünscht aber die Vermählung ihrer Tochter mit einem Mailänder Adligen, da sie die trostlose Bleibe verlassen will und selber aus Mailand stammt. Darum soll Marianne fortan Héloïse insgeheim malen, während sie sich als eine Gesellschafterin ausgibt. Nach 7 Tagen ist das Bild fertig, aber Héloïse und Marianne sind damit unzufrieden. Marianne bekommt von der Gräfin eine letzte Chance während ihrer Abwesenheit die widerspenstige ehemalige Klosterinsassin zu malen. Héloïse hat sich indessen in Marianne verliebt und findet sich dazu bereit Modell zu sitzen. Dafür kostet sie bald ihre Liebe aus. Aber auch Sophie hat ein geheimes Problem von dem die Gräfin auf keinen Fall etwas erfahren darf. Schließlich ist das Porträt fertig und Marianne muss abreisen. Später sieht sie Héloïse bei einem Konzert wieder ohne sie anzusprechen.

Die Handlung bis auf die Geschichte mit Sophies Schwangerschaft ist leider dermaßen blöd und fühlt sich einfach nicht historisch an, dass man einfach nicht den Film für voll nehmen konnte. Obendrein sind die durchweg modernen Frisuren - Haenel hat durchweg einen Seitenscheitel - und das Fehlen von irgendwelchen Accessoires wie Uhren oder auch Schminke derart störend, dass man die angebliche Handlungszeit nur als eine Art Vorwand empfindet, einen Lesbenfilm zu machen. Als ruhiger Independentfilm über eine lesbische Beziehung geht der Film klar. Etwas ungewohnt die Darstellung einer Insel der Frauen. Denn es tauchen tatsächlich fast keine Männer auf, was den Eindruck vermittelt, die Frauen würden allein auf der Insel wohnen - also nicht nur die durchweg weiblichen Schlossbewohner, sondern auch die durchweg nur durch Frauen repräsentierten einfachen Leute. Aber wie wurde dann Sophie schwanger? Meine Bekannte, die mit im Film war, meinte, man müsse sich einfach aus dem Kopf schlagen, dass der Film irgendwie historisch sein will. Denn neben der unglaubwürdigen Handlung, ist auch die Art der Malerei, die ja irgendwie auch neben der lesbischen Beziehung im Mittelpunkt steht, einfach null historisch. Man hat einfach anders gezeichnet und die Gemälde wirken bis auf die in der Szene am Ende, die wohl im Pariser Salon spielen soll, durchweg miserabel und unhistorisch.
Als ausnehmend hübsch ist einzig das Kostüm von Bajrami zu bezeichnen. Der Rest wirkt teilweise nach Entscheidungen wie für ein modernes Theaterstück - wie der Empire(?)mantel der Malerin.

Die Schauspielerinnen waren durchweg gut bis sehr gut (Bajrami). Nebenrollen gab es praktisch keine. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Film als Queerfilm durchaus einen Kultstatus erlangen kann.
Das Thema - Heirat wider Willen und die Entscheidung von Héloïse eigentlich sogar lieber im Kloster zu bleiben - war eigentlich toll. Nur das mit der Malerin hätte man plausibler machen dürfen. Aber das war wohl nie die Absicht von Céline Sciamma.
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Mo Nov 11, 2019 8:05 am    Titel: Re: "Porträt einer jungen Frau in Flammen" 2019 Antworten mit Zitat

Hallo Brissotin,
danke für die Zusammenfassung.

Wenn man sich deinen Beitrag durchliest, empfindet man Bedauern... darüber, dass ein/e Regisseur/in ein Thema aufgreift, Geld in die Hand nimmt und einen Film dreht... und der kundige Zuschauer dann enttäuscht ist, weil die wohl einfachsten Dinge nicht stimmen.

Warum das alles?

Brissotin hat Folgendes geschrieben:
Aber das war wohl nie die Absicht von Céline Sciamma.

Ja, was war die Intention der Regisseurin?
Ich frage mich das immer, wenn Filme so offensichtlich in den Sand gesetzt werden.
Was ich meine: Wenn ich etwas in die Hand nehme, mir extra Mühe gebe, habe ich doch den für mich eigenen Wunsch, es so gut wie möglich zu machen.
Bevor ist irgendeinen Blödsinn hinrotze (sorry), lass ich es doch bleiben oder fang nochmal von vorne an.

Der normalo-Zuschauer hat ja nun nicht den Anspruch auf höchste historische Korrektheit... aber wenigstens ansatzweise.
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Mo Nov 11, 2019 9:25 am    Titel: Re: "Porträt einer jungen Frau in Flammen" 2019 Antworten mit Zitat

MariaAntonia hat Folgendes geschrieben:

Ja, was war die Intention der Regisseurin?
Ich frage mich das immer, wenn Filme so offensichtlich in den Sand gesetzt werden.

"Best Screenplay" hat sie ja in Cannes abgeräumt. Ich denke, viele finden das vielleicht nicht so störend wie ich und meine Freundin das im Kino empfanden. Ich fand es zwar als Film auch einfach nur langweilig, aber das Autorenkino darf das vielleicht.

Auch so ein Nonsense - lag vielleicht nur daran, dass die Regisseurin bereits mit der Hauptdarstellerin zusammengearbeitet hatte - war das Alter der jungen Gräfin. Die war 30 und auch optisch für den Zuschauer 30 oder mehr als dreißig (sie sollte ja meistens verheult wirken). Welcher Adlige heiratete aber im 18. Jh. eine 30-jährige und zudem noch, wenn sie A offenbar arm und B ihm völlig unbekannt war?

Bei uns läuft der Film immernoch. Scheint ja immerhin an den Kinokassen unserer Independent-Kinos erfolgreich zu sein.
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Verfasst am: Mo Nov 11, 2019 9:25 am    Titel: Ähnliche Themen



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