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Saint-Cyr (2000)

 
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Mai 22, 2018 10:27 am    Titel: Saint-Cyr (2000) Antworten mit Zitat

"Saint-Cyr" F 2000 (Regie: Patricia Macuy)

Madame de Maintenon (Isabelle Huppert) erreicht vom König, Louis XIV (Jean-Pierre Kalfon) die Einrichtung der Institution von Saint-Cyr, die zur Erziehung von adligen Fräulein, die ihre Väter in den Kriegen des Königs verloren haben und nun mittellos sind. Doch einige Mädchen fühlen sich doch anfangs nicht so recht wohl und wollen wieder heim. Madame de Maintenon gelingt es die Mädchen zusammen zu halten. Als ein Manifest des Erfolges der Erziehung der Mädchen soll eine Aufführung eines Werkes von Racine (Jean-François Balmer) dienen, welches die Tugend zum Hauptthema hat. Aber diese Aufführung von "Esther" führt nicht nur zu Streit unter den Mädchen, sondern auch zu einer unerwarteten Reaktion der Höflinge, die sich unsittlich den mittlerweile herangewachsenen Mädchen nähern. Vor allem Lucie de Fontenelle (Nina Meurisse) wird nachgestellt und ihr Verehrer ermordet einen Gärtner von Saint-Cyr, der ihn dabei ertappt, als er Mlle. de Fontenelle verführen will. Plötzlich scheint das Lebenswerk der Madame de Maintenon aus den Fugen zu geraten. Die Entsendung einer Gruppe von Geistlichen, welche das Kloster nach verbotenen Büchern der Mädchen durchsuchen, soll die Mädchen wieder auf den rechten Weg führen. Lucie de Fontenelle und ihre innigste Freundin, Anne de Grandcamp (Morgane Moré) fühlen sich immer mehr in die Enge getrieben und es rumort unter den Insassinnen von Saint-Cyr auch nachdem einigen von ihnen das Verlassen der Einrichtung erlaubt wird ...

Im Zentrum stehen des Filmes stehen exemplarisch zwei Mädchen, welche die Hauptrollen in "Esther" spielten und das Scheitern einer Utopie. Die enorm fromme (von Liselotte von der Pfalz als bigott verhasste) Mme. de Maintenon hat den Herzenswunsch einen Hort der Bildung und moralischen Zucht zu erschaffen, doch lässt sie dabei außer acht, dass die Mädchen, die sie dazu braucht, letztlich eben doch auch Adlige sind und irgendwann verheiratet werden müssen, wo sie nicht in ein Kloster eintreten und diese über Saint-Cyr hinaus eine Zukunft brauchen. Die beiden Freundinnen sind in ihrer Zerrissenheit aus Loyalität sich gegenseitig und Mme. de Maintenon gegenüber und aufkeimender Sexualität eigentlich einem Druck ausgesetzt, der ganz natürlich zu Konflikten führen muss, welche dem Luftschloss Risse beibringen müssen. Vollmundig hatte Madame de Maintenon eingangs den eingetroffenen Mädchen "Tous les bonheurs du monde" versprochen und das war wohl nicht einzuhalten. Trotz aller Aufklärung - ja selbst bei der frommen Maintenon ist von "lumières" die Rede - trotz all der schönen Ziele, geistige Eliten zu schaffen, welche es als Mediziner und sonstwas mit den Männern aufnehmen können sollen, muss das Ganze erstrecht scheitern. Denn das Projekt ist in sich widersprüchlich, was auch zu Zusammenstößen zwischen der Maintenon und ihren Lehrerinnen hier im Film führt. Die Utopie beinhaltet auch die Notwendigkeit von Gewalt. So ungezwungen manchmal der Unterricht wirkt, so erzwungen ist doch die Verschleppung der Kinder aus ihrer Umgebung und der Druck auf ihnen in einer seltsamen Gemeinschaft, die eigentlich nur dem Wunsch einer Person, der Mme. de Maintenon, entspringt.

Vor allem die Männerkleidung hat mir sehr gut gefallen. Die Frisuren der Männer sind sehr schön. Zur Damenmode, hier der 1680er und 90er kenne ich mich einfach nicht ausreichend aus. Die Drehorte sind natürlich herrlich.
Aber das Sujet des Films, der stark an den Typus des Internatsfilms erinnert mit streitenden Mädchen etc. und Neid, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Die Schönheit der Lehrerinnen und Mädchen und vor allem, dass sie doch sehr unterschiedlich aussehen und keinen modernen Idealen zu entsprechen scheinen, unterhält auch ein wenig.
Isabelle Huppert hat in Cannes und überhaupt der Presse damals 2000 viel Lob geerntet. Jean-François Balmer als gealterter und mit den durchweg weiblichen Aktricen sichtlich überforderter Dramatiker macht seine Sache m.E. eher besser als Huppert. Aber vor allem die Kinder- und Jugendlichendarsteller (Moré und Meurisse waren damals erst etwa 16) wirken sehr glaubhaft und durch ihr Alter geben sie dem Film mehr Authentizität als das schönste Essgeschirr.

Ein guter, aber teilweise schwer verdaulicher Film mit viel Anspruch. Ich weiß nicht, ob ich alles verstanden habe, da ich ihn auf Französisch, nur mit Untertiteln für die Kinderrollen, gesehen habe. Vielleicht 8 von 10 vergossenen Tränen.
Für MA und Sonnenkönig-Fans wohl dennoch ein Muss!
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Mo Aug 06, 2018 8:24 am    Titel: Antworten mit Zitat

Schade, solche Filme werden wohl nie auf Deutsch übersetzt, oder? Sad
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Aug 07, 2018 9:47 am    Titel: Antworten mit Zitat

Nicolas le Floch und vieles aus Frankreich kam auch nie hier im Fernsehen.

Andererseits können wir ja beinahe noch froh sein. In Dänemark wird nix übersetzt. Vielleicht lernt man dadurch auch einfach leichter Fremdsprachen. Aber Filme im O-Ton mit Untertitel wären schon ne Bereicherung. Gibt's hier aber auch zu selten. Sad

Mir ist auch mal aufgefallen, dass Briten ganz diebisch begeistert sind, wenn sie deutsche Historienfilme auf YT finden, auch wenn es inhaltlich der größte Mist ist (wie Trenck-Verfilmungen). Aber deutsche Geschichte des 17./18.Jh. kommt bei denen halt im Fernsehen einfach fast nicht vor, da umgekehrt der Kulturtransfer offenbar noch lausiger ist.
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Verfasst am: Di Aug 07, 2018 9:47 am    Titel: Ähnliche Themen



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