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Bridget Cleary - Aberglaube in Irland

 
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Trianon
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Anmeldedatum: 04.03.2008
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BeitragVerfasst am: Mi Feb 28, 2018 10:53 am    Titel: Bridget Cleary - Aberglaube in Irland Antworten mit Zitat

Ein Thema, dass mich die letzten Tage stark beschäftigt (sowohl vom Interesse, als auch emotional) ist das tragische Schicksal von Bridget Cleary, einer Irin im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Gerade in Irland war ja Aberglaube sehr lang sehr stark verbreitet und tief in der Kultur verwurzelt. Eine besondere Geschichte sind hierbei die sogenannten "Wechselbälger", die bereits im Mittelalter weit verbreitet war. Feen können demzufolge vor allem Frauen und Kinder (da diese dem Glauben nach ja schwächer waren als Männer) ins Feenreich entführen und gegen einen Doppelgänger austauschen, der dann ihren Platz einnimmt. Benahm sich also zB ein Familienangehöriger plötzlich anders als sonst, konnte dies bedeuten, dass er ein Wechselbalg war und die Seele des richtigen Verwandten im Feenreich gefangen war.

Nun zur Person der Bridget Boland - geboren um 1870 im Herzen Irlands, heiratete mit 17 Jahren Michael Cleary, einen Küfer. Anders als die anderen Ehefrauen, begann sie relativ früh ihr Talent an der Nähmaschine zu nutzen und arbeitete als Schneiderin von zu Hause aus, zusätzlich verkaufte sie Eier von ihren eigenen Hühnern. Da beide somit berufstätig waren und keine Kinder hatten, ging es ihnen besser als den Rest der Dorfbewohnern und sie wohnten recht komfortabel, nach dem Tod ihrer Mutter gemeinsam mit Bridgets Vater, in einem Cottage.
Im März 1895 kam Bridget vom Verkauf von Eiern stark erkältet nach Hause zurück. Als zufällig ein Verwandter, der auch als "Feenkundiger" galt, die kranke Frau in ihrem Bett lagen sah, meinte er zu Michael, dass dies nicht Bridget sei. Durch diese Bemerkung, begann sich schlussendlich die Behauptung Bridget sei durch ein Wechselbalg ausgetauscht worden zu manifestieren.
Nachdem es ihr einige Tage später immer schlechter ging, wurde schlussendlich der Arzt und der Priester gerufen. Der Arzt selbst meinte es würde sich wohl um Bronchitis handeln. Gleichzeitig wurde ein in der Gegend als "Feendoktor" bekannter Mann zu Rate gezogen, der allerhand Kräuter und Tinkturen mit sich brachte. Die arme Kranke wurde von Verwandten ans Bett gefesselt und ihr wurden diese Tränke - teilweise gemischt mit Urin - eingeflößt. Wie bei einer Dämonenaustreibung, wurden Gebete gesprochen und immer wieder gefragt, ob sie Bridget Cleary sei (angeblich können Wechselbälger nicht den Namen der Person, deren Platz sie eingenommen haben aussprechen)

Obwohl sie mehrfach ihren Namen genannt haben soll, dürfte sie wohl während dieser Tortur irgendwann aufgegeben haben oder sich geweigert haben weiter zu sprechen. Mittlerweile dürfte es im Dorf ein offenes Geheimnis gewesen sein, was im Cottage der Familie Cleary vor sich ging, zumindest gab es viele Zeugen die später aussagten, die Vorgänge zumindest gehört zu haben, wenn nicht sogar unmittelbar dabei gewesen waren.
Als Bridget halbwegs wieder am Weg der Besserung war, war ihr Ehemann allerdings noch immer nicht überzeugt. Bei einer letzten Konfrontation, soll er sie gezwungen haben Brot zu essen und dabei wieder lautstark gefragt haben, ob ihr Name Bridget Cleary sei. Beim dritten Mal verweigerte seine Frau schlussendlich sowohl eine Antwort, als auch den Bissen. Daraufhin stieß er sie zu Boden, übergoss sie mit Öl und zündete Bridget an.
Den Leichnam seiner Frau beerdigte er mit Hilfe einiger anwesenden Verwandten in einem flachen Grab nicht weit vom Cottage.

Kurze Zeit später wurde Bridget als vermisst gemeldet, die Polizei begann nach ihr zu suchen. Michael behauptete weiterhin, die Feen hätten seine Frau geholt und als man schlussendlich ihren Leichnam fand, wurden insgesamt 9 Leute angeklagt. Der Prozess im April 1895 zog enorme Aufmerksamkeit auf sich. Der Umstand, dass die Iren noch immer an solchen Aberglauben fest hielten und solche barbarischen Taten begangen, wurde sogar vom britischen Parlament aufgegriffen und als Begründung angesehen, warum man den Iren weiterhin nicht in die Unabhängigkeit zugestehen konnte.
Michael Cleary wurde schlussendlich zu 15 Jahren Haft verurteilt und wanderte 1910 nach Montreal aus. Einige der Mitangeklagten wurden frei gesprochen, andere bekamen kurze Haftstrafen für Körperverletzung.

Bis heute ist man sich nicht einig, ob Michael Cleary tatsächlich glaubte, dass seine Frau von Feen entführt wurde oder aber ob er sich ihrer entledigen wollte, da sie für ihre Zeit sehr unabhängig und mit ihrem Geschäft erfolgreicher war als ihr Ehemann.
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"Die ehemalige Prinzessin mit ihrem verschleierten Blick, der den Himmel zu suchen schien, und ihrem sanftem Lächeln,
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prince d'amour
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BeitragVerfasst am: Do März 08, 2018 11:17 am    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist ja wirklich schauerlich. Sicherlich ist etwas wahres daran, dass der Ehemann sie eher los haben wollte. Vielleicht hatten die anderen Männer ihn durch die Emanzipation seiner Frau als Schwächling verhöhnt. So etwas soll ja bei weniger starken Männern zu solchen Reaktionen führen.
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Verfasst am: Do März 08, 2018 11:17 am    Titel: Ähnliche Themen



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