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Maria Theresia Zweiteiler (2017)
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Fr Jan 05, 2018 11:29 am    Titel: Antworten mit Zitat

@ Johanna Gabriela
Die Hofburg wurde z.B. im Wallenstein-Mehrteiler in den 1970ern verwendet und im Andreas-Hofer-Film "Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers"(2002). Für gewöhnlich werden dann die Dreharbeiten auf den Innenhof vor den älteren Gebäudetrakten beschränkt. Die Inneneinrichtung der Gebäude ist normalerweise - so eigenwillig das klingt - für die Dreharbeiten sekundär. Ich bin ja oft in Freilichtmuseen und auch schon öfter wenn vor uns ein Drehteam drin war. Die suchen eine Location aus und dann bauen sie ganze Räume komplett rein in bestehende Kammern oder Stuben. Bei einer Doku habe ich das noch nicht erlebt, aber bei TV-Filmen ist das schon ganz normal.
Schönbrunn wäre wohl sowieso, wenn es den Filmemachern denn um Authentizität ginge, unstimmig, da ja der Zustand der meisten Räume und sogar das Äußere des Schlosses nichts mit den 1730ern oder frühen 1740ern gemein hat.

Die Ausdrucksweise ist meines Wissens schwer greifbar. Wir haben aus der Zeit Briefe, aber ob diese wirklich die gesprochene Sprache widergeben? Das holperige Deutsch in seinen schriftlichen Hinterlassenschaften bei Karl VI. mag aber darauf hindeuten, dass er Deutsch nicht so besonders gut beherrschte - kein Wunder, umgab er sich doch gern mit seinen spanischen Höflingen und sah sich eher als spanischer König bzw. Imperator einer Weltmacht.
Ich hatte generell nicht den Eindruck, dass man sich im Film besonders um eine historische Sprache bemühte. Viele Fremdworte tauchten auf, die mir für das 18.Jh. mindestens als ungewöhnlich schienen.
Franz Stephan spricht ja im Film durchweg sauberes Deutsch, nichtmal mit französischem oder Lothringer Akzent wie überhaupt kein Dialekt geredet wird. Prinz Eugen ist ja auch - soweit ich es den Ausschnitten entnehmen konnte - kein frankophiler Italiener oder sowas, sondern scheint als Deutscher dargestellt.
Ähnlich absurd die Szene, als sich der ungarische Graf erstaunt zeigt, als Maria Theresia auf Latein antwortet. Wie denn auch sonst? Auf Chinesisch? Latein war, immerhin das haben die Drehbuchschreiber scheinbar begriffen, die Amtssprache in Ungarn und wo sich M.T. nicht blamieren will, antwortete sie auf Latein. Aus Höflichkeit hätte sie ja auch auf Ungarisch antworten können. Aber das wäre vielleicht ein fragwürdiges politische Zeichen gewesen.

Was das Zubettbringen anbelangt, scheint es mir unterschiedlich. Bei Wilhelmine von Bayreuth wird das im Zusammenhang mit der Vermählung von Friedrich II. erwähnt. Beim Sex war man dann aber scheinbar nicht mehr anwesend, denn dass Friedrich Sex mit seiner Gattin überhaupt einmal hatte wird eigentlich nur durch eine schlüpfrige Bemerkung über Elisabeth Christines Äußeres in einem seiner Briefe nahegelegt.
Ich denke, die Vermählten waren beim eigentlichen Sex allein im Zimmer. Zumindest alle Beispiele, wo die erste Nacht anderer Herrscher ausdrücklich geschildert wurde, legt das nahe. Bei Louis XV z.B. meinte man genau zu wissen wie häufig er seine Gemahlin in der Hochzeitsnacht bestiegen habe. Bei soviel Ungewissheit, scheint dann doch maximal an der Tür gelauscht worden zu sein. Wenn es das Spanische Zeremoniell am Wiener Hof verlangt hätte, so meine Theorie, wäre der Sex der Brautleute auch bei anderen habsburgischen Eheschlüssen ausdrücklich von Gesandten oder Höflingen in Korrespondenz erwähnt worden.
In dem Maximilian-Mehrteiler aus dem letzten Jahr wurde es ja auch so dargestellt, als ob der Hof beim Beischlaf erwartete zuzuschauen, was aber als eine scheinbar genuin burgundische Sitte, da Maximilian unbekannt, hingestellt wurde.

Porcia liegt in Kärnten? Also ich war mal in Porcia letztes Jahr und das war in der Poebene oder besser gesagt nahe Venetien.
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Trianon
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BeitragVerfasst am: Fr Jan 05, 2018 12:00 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Brissotin hat Folgendes geschrieben:
@ Johanna Gabriela
Die Hofburg wurde z.B. im Wallenstein-Mehrteiler in den 1970ern verwendet und im Andreas-Hofer-Film "Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers"(2002). Für gewöhnlich werden dann die Dreharbeiten auf den Innenhof vor den älteren Gebäudetrakten beschränkt.

Absolut richtig - auch für den neueren Sisi-Zweiteiler benutzte man zB den Hof des Schweizertraktes. Im Schweizertrakt gibt es auch viele Räumlichkeiten die gemietet (auch für Dreharbeiten) werden können. Aber vermutlich nicht ganz billig das Ganze.

Brissotin hat Folgendes geschrieben:

Die Inneneinrichtung der Gebäude ist normalerweise - so eigenwillig das klingt - für die Dreharbeiten sekundär. Ich bin ja oft in Freilichtmuseen und auch schon öfter wenn vor uns ein Drehteam drin war. Die suchen eine Location aus und dann bauen sie ganze Räume komplett rein in bestehende Kammern oder Stuben. Bei einer Doku habe ich das noch nicht erlebt, aber bei TV-Filmen ist das schon ganz normal.

Stimmt - hat man zB auch beim Marie Antoinette Film von 2006 so gemacht. Ich schätze allerdings hier wollte man sich die Kosten sparen und lieber die Räume benutzen, die bereits an den jeweiligen Drehorten vorhanden waren.
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Johanna_Gabriela
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BeitragVerfasst am: So Jan 07, 2018 11:06 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Die Ausdrucksweise ist meines Wissens schwer greifbar. Wir haben aus der Zeit Briefe, aber ob diese wirklich die gesprochene Sprache widergeben? Das holperige Deutsch in seinen schriftlichen Hinterlassenschaften bei Karl VI. mag aber darauf hindeuten, dass er Deutsch nicht so besonders gut beherrschte - kein Wunder, umgab er sich doch gern mit seinen spanischen Höflingen und sah sich eher als spanischer König bzw. Imperator einer Weltmacht.
Ich hatte generell nicht den Eindruck, dass man sich im Film besonders um eine historische Sprache bemühte. Viele Fremdworte tauchten auf, die mir für das 18.Jh. mindestens als ungewöhnlich schienen.
Franz Stephan spricht ja im Film durchweg sauberes Deutsch, nichtmal mit französischem oder Lothringer Akzent wie überhaupt kein Dialekt geredet wird. Prinz Eugen ist ja auch - soweit ich es den Ausschnitten entnehmen konnte - kein frankophiler Italiener oder sowas, sondern scheint als Deutscher dargestellt.


Genau das meine ich ja, das hast du sehr gut erklärt/ergänzt, Brissotin. Ich freue mich sehr darüber.

Hat MT ungarisch gelernt ? Latein ja, da mir bekannt ist, sie habe ihr "Ja" bei der Hochzeit in dieser Sprache gesprochen.
"Volo." was soviel wie "ich will" bedeutet.

Das mit den Fremdworten finde ich einfach unpassend. Da hätte man besser recherchieren können.

Zu den Bettszenen fällt mir noch was ein: Haben die "armen" Adeligen keine Privatsphäre ? Wink
Wenn da jeder oder fast jeder zusehen kann, wie oft "er" "kommt" etc. ist doch die ganze Erotik beim Teufel.
Da würde ich auch nicht "können", wenn mir jeder dabei zuschauen würde, ganz ehrlich. Wink
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Mo Jan 08, 2018 12:30 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Johanna_Gabriela hat Folgendes geschrieben:

1.
Hat MT ungarisch gelernt ? Latein ja, da mir bekannt ist, sie habe ihr "Ja" bei der Hochzeit in dieser Sprache gesprochen.
"Volo." was soviel wie "ich will" bedeutet.

2.
Zu den Bettszenen fällt mir noch was ein: Haben die "armen" Adeligen keine Privatsphäre ?

1.
Ich kann mal nachschauen, auch wenn ich freilich kein MT-Experte bin, aber sowas sollte in jeder rudimentären Kurzbio drin stehen. Die Meinung über die Vorbereitung MTs auf ihren "Job" geht ja immer wieder auseinander. Mal heißt es - wie hier in dem Film vertreten - sie sei völlig von den Regierungsgeschäften fern gehalten worden und bewusst von ihrem Vater "dumm" gehalten worden, mal hat man den Eindruck zumindest am Ende seiner Herrschaft, als ein männl. Nachkomme für Karl unwahrscheinlich wurde, habe sich der Kaiser ein bisschen in die Karten schauen lassen. Andererseits war sie als Gemahlin des Herzogs der Toskana ja dazu verpflichtet auch an der Seite ihres Gemahls zu sein. Daher sind die Vorwürfe hier im 2.Teil, sie sei nicht beim Tod des Kaisers zugegen gewesen ein wenig absurd.
Auf Wikipedia heißt es: "Die traditionell gute sprachliche Ausbildung umfasste Unterricht in lateinischer, italienischer und französischer Sprache. " Wenn MT später kritisierte, ihre Bildung habe nicht ausgereicht sie auf die Herrschaft derart verstreuter Besitzungen vorzubereiten, so muss man dagegen halten, dass keines Habsburgers Bildung dazu hinreichend war. Offenbar war MT eben dies bewusst geworden wie wenig die Habsburger Herrscher über ihre Lande wussten, weshalb sie Bartenstein mit einer Analyse beauftragte, die dann erst zur Zeit von Josephs Großjährigkeit vollendet wurde - das obwohl sie eigentlich zu Josephs Erziehung vorgesehen war. Laughing
Meistens wird es so interpretiert, dass Karl VI. doch letztlich hoffte, nicht MT sondern Franz Stephan würde die Regierungsgeschäfte führen. Das war von daher etwas seltsam, da in dem Falle Karl schon zu Lebzeiten oder zumindest noch vor seinem Ableben hätte weitreichende Befugnisse und zumindest einen Sitz im Rat zubilligen müssen, was er ja dann wieder doch nicht tat.
Franz Stephan hatte gewiss Fähigkeiten, die ihn dazu befähigt hätten einen kleineren Staat wie Sachsen-Meiningen oder gar die Toskana (?) zu führen, der sich aus Kriegen heraushielte und primär auf wirtschaftliche Prosperität aus war. Als Kaiser hingegen war er eine Niete. Ohne Hausmacht zu schwach, im Fahrwasser seiner Gemahlin zu wenig unabhängig, als Herrscher zu wenig ernsthaft. Er hat auf dem Thron nie das nötige Profil entwickelt, um Allianzen zu schließen.

2.
Beim Hochadel, d.h. den regierenden Häusern, ist es wohl so. Die Reaktion darauf im 18.Jh. ist ja mehr als deutlich: neben den weiterhin belassenen Paradegemächern die Appartements privées, wo man sich zurückziehen konnte. Niedrigere Decken bisweilen, kleinere gemütlichere Gemächer. Ein gutes Beispiel sind die Einbauten Carl Eugens in Ludwigsburg. Begafft/beobachtet wurde man dann solange man auf der Bühne der Öffentlichkeit stand. Ging man in die Privatgemächer, war die Überwachung durch den Hof kontrollierbar.
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Johanna_Gabriela
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BeitragVerfasst am: Mi Jan 10, 2018 6:42 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Mal heißt es - wie hier in dem Film vertreten - sie sei völlig von den Regierungsgeschäften fern gehalten worden und bewusst von ihrem Vater "dumm" gehalten worden, mal hat man den Eindruck zumindest am Ende seiner Herrschaft, als ein männl. Nachkomme für Karl unwahrscheinlich wurde, habe sich der Kaiser ein bisschen in die Karten schauen lassen. Andererseits war sie als Gemahlin des Herzogs der Toskana ja dazu verpflichtet auch an der Seite ihres Gemahls zu sein. Daher sind die Vorwürfe hier im 2.Teil, sie sei nicht beim Tod des Kaisers zugegen gewesen ein wenig absurd.


Laut einer Romanbiographie über MT - Achtung mit Vorsicht zu genießen, da es kein sachliches Buch ist - sei die Erzherzogin bzw. Großherzogin der Toskana - oder welchen Titel MT auch immer im Oktober 1740 getragen hat - aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht beim Tod ihres Vaters dabei gewesen.

In der seriösen Literatur habe ich bisher dergleichen nicht gefunden.

Diese Episode kann also in das Reich der Legenden verwiesen werden.
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Teresa
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BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 10:38 am    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht wäre hier die Frage nicht uninteressant - wie überraschend der Tod von Karl VI. tatsächlich war.
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BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 10:58 am    Titel: Antworten mit Zitat

Teresa hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht wäre hier die Frage nicht uninteressant - wie überraschend der Tod von Karl VI. tatsächlich war.

Ich denke, man sah das damals vom Standpunkt des Alters. Er war ja noch lange nicht alt. Anders als FW I. war er auch nicht dauerhaft am Ende seiner Herrschaft schwerkrank.
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BeitragVerfasst am: Mo Jun 11, 2018 4:27 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Kann es sein, dass Teil 1 ein noch weitaus größerer Schmarrn ist als Teil 2?

Ein Kaiser, der seine eigene Gemahlin und seine Tochter, die voraussichtliche Erbin von einem ungarischen Grafen (!) kompromittieren lässt! Was soll denn der Schwachsinn? Karl VI. hätte den Bengel für sowas rauswerfen lassen, statt mit ihm seiner Tochter nachzuspionieren.
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Verfasst am: Mo Jun 11, 2018 4:27 pm    Titel: Ähnliche Themen



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Trianon
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BeitragVerfasst am: Di Jun 12, 2018 7:16 am    Titel: Antworten mit Zitat

Jaa der erste Teil war schon sehr viel Schrott, schade um den Stoff. Was ich nicht verstehe - warum muss ma da so viel Schmarrn filmen? Als wäre die Geschichte um Maria Theresia soo langweilig Rolling Eyes
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BeitragVerfasst am: Di Jun 12, 2018 8:55 am    Titel: Antworten mit Zitat

Davon abgesehen, dass Prinz Eugen als italienischstämmiger Franzose mit Wiener Dialekt wirklich lächerlich war, fand ich es komplett unlogisch, dass der Polnische Thronfolgekrieg weggelassen wurde. Die faseln die ganze Zeit, es könnte Krieg geben, dabei war bei dem Zeitpunkt Krieg! So ein Schwachsinn!
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Trianon
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BeitragVerfasst am: Di Jun 12, 2018 9:19 am    Titel: Antworten mit Zitat

Am Besten einfach ad acta legen und hoffen, dass der Zweiteiler nie wieder gezeigt wird Laughing
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Jun 12, 2018 11:37 am    Titel: Antworten mit Zitat

Hast ja recht, Trianon. Es hat mich halt nur gereizt, da die 1730er/frühen 1740er immer mal meine Lieblingszeit sind.

Hier meine Rezension:
Endlich durfte ich nun den 1. Teil dieses tollen Werkes anschauen. Und er übertrifft gewissermaßen den zweiten noch. Eine Herrscherbiographie als eine halbfiktive Soapopera.

Maria Theresia (Marie-Luise Stockinger) lernt als Kind den Herzog von Lothringen(Vojtěch Kotek) kennen. 9 Jahre später trifft sie ihn erst wieder. Ihr Vater, Kaiser Karl VI. (Fritz Karl), hat mit Franz Stephans Vater die Ehe der beiden arrangiert. Doch rasch mischt sich Prinz Eugen (Karl Markowics) ein, welcher bald einen neuen Favoriten für die Hand Maria Theresias hat. Er und Feldmarschall Grumbkow (Zoltán Rátóti) sehen den meisten Gewinn in einer Vermählung der Erzherzogin mit Kronprinz Friedrich von Preußen. Die konfessionellen Bedenken der Berater des Kaisers wurden damit weggewischt, dass es keine Alternativen gäbe. Da Maria Theresia aber die preußische Delegation mit ihrer Meinung über den barbarischen preußischen Hof brüskiert, scheitert das Projekt. Maria Theresia will sich nun auf den Hinweis des Kaisers hin, sie verstehe nichts vom Staat, insgeheim auf die Herrschaft mit Hilfe von Spannagel (Cornelius Obonya) vorbereiten. Als das durch die Anschuldigung des Grafen Nikolaus von Esterhazy (Bálint Adorjáni) heraus kommt, landet Spannagel im Kerker und Maria Theresia wird nahegelegt ins Kloster zu gehen. Doch ihr gelingt es in einer Verteidigungsrede den Kaiser und seine Minister davon zu überzeugen, dass es die besten Idee sei, wenn sie Franz Stephan heiraten würde, da dieser im Gegenzug dafür auf sein Herzogtum verzichten würde, was Frankreich zur Anerkennung der Pragmatischen Sanktion verleiten würde. Franz Stephan allerdings, nun an den Hof zurückgeholt, von dem ihn Prinz Eugen vertrieben hatte, weigert sich anfangs in den Verzicht auf sein Herzogtum einzuwilligen, auch da ihm die Mademoiselle de Chartres (Zuzana Mauréry) davon abrät und er sich mittlerweile mit der Hand von Maria Theresias Schwester Anna (Anna Posch) abgefunden hat und nun scheinbar sie statt Maria Theresia liebt. Doch gelingt es Anna und dem nunmehr freigelassenen Spannagel den Herzog von Lothringen zu überzeugen. Obwohl der Arzt der Kaiserin (Jan Budař) der Kaiserin (Zuzana Stivínová) attestiert keine Kinder mehr bekommen zu können, wird im Ehevertrag festgelegt, dass ein möglicher Sohn Karl VI. ihn dennoch beerben würde. Trotz alledem heiraten Maria Theresia und Franz Stephan schließlich und Maria Theresia wird schwanger. Zuvor stirbt Prinz Eugen, woran Grumbkow, der nun einer Ehe Maria Theresias mit Franz Stephan positiv gegenüber steht, nicht ganz unschuldig ist. Denn Prinz Eugen versucht bis zum Schluss diese Vermählung zu verhindern.

Noch deutlicher als im 2. Teil reihen sich hier historische Fehler aneinander. Am augenscheinlichsten ist das Weglassen des ganzen Polnischen Thronfolgekrieges ohne den der Druck auf Österreich und der Ländertausch Lothringens gegen Toskana unerklärlich bleibt.
Bartenstein, in den 1730ern der maßgeblichste Berater des Kaisers, tritt garnicht auf.
Der Kaiser wird als eine Art gehetztes Reh dargestellt, der es sogar zulässt, dass ein ungarischer Graf seine Gemahlin, die Kaiserin, beleidigt und die Erzherzogin Maria Theresia, seine Erbin verdächtigt. Damals hätte das wohl einen Ausflug auf den Spielberg mit sich gebracht. So nicht hier, wo der Drehbuchschreiber in Ermangelung von irgendwelcher Action unplausible, um nicht zu sagen hirnrissige, Konflikte konstruiert.
Sehr albern auch, als Maria Theresia irgendwelche Zusammenhänge büffelt, die damals eh jeder mit nur einem Hauch von Bildung gewusst hätte - wie der Frieden von Utrecht.

Vielleicht hätte das lächerliche Drehbuch nicht funktioniert, wenn der einzige wirkliche Gegenspieler Maria Theresias, hier Prinz Eugen, im Feldzug gebunden gewesen wäre. Auch dass ein Krieg drohen würde, wäre wohl unlogisch gewesen, da ja eben in den 1730ern ein Krieg zwischen Österreich und Frankreich existierte.

Die Kostüme wirken durch die Chance des Vergleichs mit Teil 2 noch mieser. Franz Stephan z.B. hat scheinbar über Jahrzehnte den selben Anzug. Gerade in den Ankleideszenen erkennt man furchtbare Schuhe, volle Kanne Kameraeinstellungen auf metallene Schnürösen etc.. Auch sehr drollig, wenn man vorgegaukelt bekommt, man hätte Franz Stephan das Spanische Hofzeremoniell erklären müssen, wo er ja am Wiener Hof aufgewachsen ist. Sehr amüsant auch, als Maria Theresia anhand von Modestichen (Galerie des Modes) der 1770er ihr Kleid ändern will, um es durch ein tieferes Dekolleté der französischen Mode ähnlicher zu machen, obwohl zeitgleich alle anderen am Hof natürlich der Mode entsprechend sowieso tiefe Ausschnitte tragen. Aua! Noch peinlicher sehen diese komischen Kopfbinden vieler Rollen aus, die dazu scheinbar dienen sollen, dass die Perücken besser halten, auch wo die Frisur damals wie bei den Damen seltenstens eine Perücke nötig machte.
Von den Kostümen her wird einfach immer das Gleiche getragen, egal ob 1720er, 30er oder 40er.

Filmisch sehr langweilig produziert, inhaltlich meistenteils frei erfunden. Karl Markovics als Prinz Eugen ist ein Witz auf Rädern. Der italienischstämmige Franzose, der prima Wiener Dialekt spricht - ahja!
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Trianon
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BeitragVerfasst am: Di Jun 12, 2018 11:44 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann dich gut verstehen, sie hätten da auch einfach so viel draus machen können. Da ist es noch trauriger, dass nur diese billige Soap Opera (guter Ausdruck) daraus entstanden ist. Und gerade wenn man etwas anlässlich eines solchen Gedenkjahres produziert, sollte man sich schon auch ein wenig mehr Mühe geben - gerade beim Drehbuch.
Seis drum wenn die Kostüme und Ausstattung furchtbar sind, wenn dann zumindest die Geschichte selbst gut ist.
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BeitragVerfasst am: Di Jun 12, 2018 12:13 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Klassiker das mit der Hochzeitsfeier, wo gesagt wurde, dann müsse das schwarze Mantelkleid vom Hofstaat getragen werden und in der Szene dann: nix da! Laughing
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Duc de Berry
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BeitragVerfasst am: Mi Jul 04, 2018 11:57 pm    Titel: Antworten mit Zitat

ich glaube, ich hab da nix verpasst ^^
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Verfasst am: Mi Jul 04, 2018 11:57 pm    Titel: Ähnliche Themen



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