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Fragen zu Franz Stephan
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Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    MARIE ANTOINETTE - Forum Foren-Übersicht -> Die Habsburger - Marie Antoinettes österreichische Familie
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Apr 26, 2016 3:15 pm    Titel: Fragen zu Franz Stephan Antworten mit Zitat

Kennt sich jemand genauer zu Franz Stephan aus? Mich würde interessieren, ob er im Österr. Erbfolgekrieg dabei war. Ich kann mich an sowas erinnern, dass er 1743/44 mal in Süddeutschland anwesend war. Gibt es da detailliertes Wissen dazu?
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Antoinette
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BeitragVerfasst am: Mi Apr 27, 2016 10:21 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, da hab ich leider keine Ahnung von. Wobei das ein spannendes Thema ist.
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Marie Antoinette~historical comics
-->Ein Weg zum Humor:das Kahnerium.Kät´n´Tweets.Insta_Kaet.Kät-Toons
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Do Apr 28, 2016 8:37 am    Titel: Antworten mit Zitat

Antoinette hat Folgendes geschrieben:
Sorry, da hab ich leider keine Ahnung von. Wobei das ein spannendes Thema ist.

Kann mich auch nicht daran entsinnen irgendwo mal eine wirklich detaillierte Biographie über Franz I. gesehen zu haben.

Ich glaube das mit dem Feldzug in Dtl. müsste ich aus Reed Brownings Buch haben. Wenn ich's wiederfinde, schreib ich es hier rein.
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Fr Apr 29, 2016 6:19 am    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ist auch keine Biografie über ihn bekannt. Schade eigentlich.
Über die Gemahlin existieren hunderte Biografien... Aber sicherlich findet sich darin Brauchbares zum Thema?
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Papillon
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BeitragVerfasst am: Fr Apr 29, 2016 6:24 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallöchen,

da ich gerade beginne eine wissenschaftliche Arbeit über Franz Stephan zu schreiben, bin ich bei meiner Recherche auf einige gute Werke über ihn gestoßen und liste sie euch mal auf:



Titel: Franz I. Stephan
Autor/in: Schreiber, Georg 1922-2012 (DE-588)129014540
Jahr: 1986


Titel: Franz Stephan von Lothringen (1708 - 1765)
Autor/in: Zedinger, Renate
Jahr: 2008


Titel: Franz Stephan von Lothringen uns dein Kreis
Herausgeber: Zedinger, Renate
Jahr: 2009


Es gibt noch einige mehr, wer Interesse hat, dem rate ich in Bibliothekskatalogen nachzusehen, die Uni Wien hat zum Beispiel fast alle Werke verfügbar.

Liebe Grüße :)
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Johanna_Gabriela
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BeitragVerfasst am: Di Mai 03, 2016 8:49 am    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich schade, dass Franz I. Stephan immer im Schatten seiner Gattin Maria Theresia, seiner Cousine 2. Grades, steht bzw. gestanden hat.

Gut möglich, dass er 1743/1744 selbst an der Front gekämpft hat.

Und bei einem Fronturlaub hat der Kaiser bzw. Herzog dann seine Familie vergrößert. Wink

Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen. Wink
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Jun 14, 2016 12:22 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Im Nafziger findet sich eine Ordre de Bataille mit Franz Stephan als Oberkommandierender:
http://usacac.army.mil/cac2/CGSC/CARL/nafziger/745GAA.pdf
Es handelt sich offensichtlich um eine große Armee von Österreichern, Niederländern und Hannoveranern, wohl diejenige, die Mitte 1745 am Rhein gegen die Truppen unter Maillebois operiert hat, während in der berühmten Schlacht von Fontenoy andere Niederländer unter Waldeck, Österreicher unter Königsegg und Briten unter Cumberland geschlagen wurden.
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Jul 04, 2017 11:38 am    Titel: Antworten mit Zitat

Auf jeden Fall scheint Franz Stephan 1742 in Dtl. den Oberbefehl bekleidet zu haben.
"Der Grossherzog konnte übrigens die Ausführung seines letzten Entschlusses nicht mehr persönlich leiten, da er von der Königin nach Wien berufen worden war.
Er übergab am 15. das Armee-Commando seinem Bruder, dem Prinzen Carl von Lothringen."*

Auch nach seiner Abberufung hat Franz Stephan mit seinem Bruder, Carl, eine rege Korrespondenz über den Feldzugsverlauf geführt, wohlmöglich fühlte sich Franz Stephan ja noch immer für die Armee verantwortlich.

Nun wirft für mich diese Abberufungen die Frage auf, ob Maria Theresia dadurch nicht gewissermaßen eine Selbstverwirklichung Franz Stephans verhinderte und somit seinen Charakter selber negativ beeinflusste. Später wird er ja oftmals als eher unfähig oder träge beschrieben. Vielleicht ja, weil er nie zeigen durfte, was in ihm steckte. Mit Traun und Khevenhüller hätte er die fähigsten Befehlshaber um sich gehabt und zweifelsohne wäre der Feldzug gegen die strategisch schwachen Bayern 1743 auch nicht viel schlechter verlaufen als unter seinen Nachfolgern.

* "Oesterreichischer ErbfolgeKrieg 17401748" IV. Band, Österr.-Unganisches Kriegsarchiv, 1900, S. 607
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Verfasst am: Di Jul 04, 2017 11:38 am    Titel: Ähnliche Themen



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Teresa
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BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 9:20 am    Titel: Antworten mit Zitat

Sind die Gründe für seine Abberufung nach Wien eigentlich bekannt beziehungsweise eindeutig belegt und geklärt. Oder handelt sich dabei wieder um "Erklärungen, die in Wirklichkeit der "Legende" oder dem "Habsburger-Bashing" geschuldet sind?

Auffallend ist schließlich, dass eine negative Sicht von Franz I. Stephan (von Lothringen) oder seine Fragwürdigkeit ausgezeichnet sowohl zu einer negativen, frauenfeindlichen Sicht auf Maria Theresia passen, aber ebenso ideal zu einer negativen Habsburger-Sicht oder zu einer positiven Sicht auf seine Frau.

Ein unfähiger Franz Stephan (oder Franz Stephan als Schwächling) bietet nicht nur für habsburgfeindliche Historikerinnen und Historiker, sondern auch für gender-konservative und -heikle Historikerinnen und Historiker ideale Interpretationsmöglichkeiten:
- Maria Theresia als herrschsüchtige Frau, die ihrem Ehemann gezielt an der kurzen Leine hält und / der die sich ihre Rolle als vermeintliche Ausnahmefrau auf Kosten ihres Ehemannes erschleicht,
- Maria Theresia als tapfere Frau, die gerade deswegen (und eigentlich gegen ihren Willen) die "Männerrolle" okkupieren muss, weil ihr kein fähiger Mann zur Seite steht, der ihr das ersparen wird (Maria Theresia sozusagen als Lückenbüßerin),
Eigentlich sollt
- Maria Theresia als unfähige Herrscherin, und kein fähiger Mann an ihrer Seite - die Arme,
...

Davon abgesehen aber zeigt die Beurteilung von Franz Stephan noch etwas anderes: Offensichtlich war er kein großartiger und guter Feldherr war (und wohl auch kein guter Militär), abgesehen von seinem militärischen Handicaps habe ich aber bisher keine seriösen Belege dafür gefunden, dass er unfähig gewesen sein oder gar geistig minderbemittelt oder grenzdebil.

Gerade im 20. und 21. Jahrhundert, wo der Krieg durchaus negativ gesehen wird, wäre doch naheliegend, dass seine Bewertung positiver ausfallen könnte. Sind wir etwa trotzdem in Wirklichkeit noch immer auf das Image des "strahlenden Kriegshelden" fixiert?

Oder liegt es daran, dass Franz Stephan weder über gutes Aussehen noch über besondere Fremdsprachenkenntnisse verfügte, sodass er auch nicht dem "Ideal" der Historikergeneration des 21. Jahrhunderts entsprechen kann?

Ein weiterer Aspekt, der ihn auch für die seriöse Historikergeneration des 21. Jahrhunderts weiterhin zur Negativfigur stempelt. Franz Stephan - einer der bereit war, sich der Dynastie der Habsburger, deren Image heute schlechter denn je ist (warum eigentlich - das wäre übrigens auch eine ganz interessante Frage) unterzuordnen. Provokant ausgedrückt - wer sich freiwillig einer "Idioten-Dynastie" unterordnet, muss schon immer ein "Idiot" gewesen sein.
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prince d'amour
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BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 9:41 am    Titel: Antworten mit Zitat

Warum sollten Historiker dieses Jahrhunderts eine historische Person aufgrund mangelnder Fremdsprachenkenntnisse unvorteilhaft beleuchten? Das erschließt sich mir nicht.

Ich glaube kaum das man bei Franz Stephan von einer Minderbemitteltheit sprechen kann. Er und seine Gattin haben sich ergänzt und jeder seiner Natur entsprechend Aufgaben übernommen. Wenn ich nicht irre war es der Kaiser der sich um die Finanzangelegenheiten kümmerte. Dabei muss er wohl auch erfolgreich gewesen sein.
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 10:28 am    Titel: Antworten mit Zitat

Teresa hat Folgendes geschrieben:

1.
Sind die Gründe für seine Abberufung nach Wien eigentlich bekannt beziehungsweise eindeutig belegt und geklärt. Oder handelt sich dabei wieder um "Erklärungen, die in Wirklichkeit der "Legende" oder dem "Habsburger-Bashing" geschuldet sind?

2.
Ein unfähiger Franz Stephan (oder Franz Stephan als Schwächling) bietet nicht nur für habsburgfeindliche Historikerinnen und Historiker, sondern auch für gender-konservative und -heikle Historikerinnen und Historiker ideale Interpretationsmöglichkeiten:
- Maria Theresia als herrschsüchtige Frau, die ihrem Ehemann gezielt an der kurzen Leine hält und / der die sich ihre Rolle als vermeintliche Ausnahmefrau auf Kosten ihres Ehemannes erschleicht,
- Maria Theresia als tapfere Frau, die gerade deswegen (und eigentlich gegen ihren Willen) die "Männerrolle" okkupieren muss, weil ihr kein fähiger Mann zur Seite steht, der ihr das ersparen wird (Maria Theresia sozusagen als Lückenbüßerin),
Eigentlich sollt
- Maria Theresia als unfähige Herrscherin, und kein fähiger Mann an ihrer Seite - die Arme,
...

Davon abgesehen aber zeigt die Beurteilung von Franz Stephan noch etwas anderes: Offensichtlich war er kein großartiger und guter Feldherr war (und wohl auch kein guter Militär), abgesehen von seinem militärischen Handicaps habe ich aber bisher keine seriösen Belege dafür gefunden, dass er unfähig gewesen sein oder gar geistig minderbemittelt oder grenzdebil.

3.
Gerade im 20. und 21. Jahrhundert, wo der Krieg durchaus negativ gesehen wird, wäre doch naheliegend, dass seine Bewertung positiver ausfallen könnte. Sind wir etwa trotzdem in Wirklichkeit noch immer auf das Image des "strahlenden Kriegshelden" fixiert?

4.
Oder liegt es daran, dass Franz Stephan weder über gutes Aussehen noch über besondere Fremdsprachenkenntnisse verfügte, sodass er auch nicht dem "Ideal" der Historikergeneration des 21. Jahrhunderts entsprechen kann?

5.
Ein weiterer Aspekt, der ihn auch für die seriöse Historikergeneration des 21. Jahrhunderts weiterhin zur Negativfigur stempelt. Franz Stephan - einer der bereit war, sich der Dynastie der Habsburger, deren Image heute schlechter denn je ist (warum eigentlich - das wäre übrigens auch eine ganz interessante Frage) unterzuordnen. Provokant ausgedrückt - wer sich freiwillig einer "Idioten-Dynastie" unterordnet, muss schon immer ein "Idiot" gewesen sein.

1. Das Zitat stammt ja aus einem Werk der KuK-Zeit. Von daher kann man den Aspekt "Habsburger-Bashing" wohl ausschließen. Außerdem arbeitet es fast ausschließlich mit Primärquellen. Besprechungen der Kriegsräte werden oftmals im Glossar aufgeführt.
Seltsamerweise taucht er ja ganz kurz 1745 wieder auf.
Zu dumm, dass das Standardwerk zum Österr. Erbfolgekrieg just 1744/45 abbricht und nicht bis 1748 fortgesetzt wurde.

2.
Gute Fragen.

Viel zum Nimbus hat die angebliche Selbstbehauptung Maria Theresias eben in den ersten 8 Jahren ihrer Herrschaft beigetragen.
Die Maria Theresia eher feiernden Autoren übersahen dabei, dass bei allen Problemen v.a. 1741/42 England als Großmacht kein Interesse an einer völligen Zerschlagung der Habsburgermacht hatte. Das hätte wohl nicht zu einem Machtvakuum sondern zu einer ungekannten Dominanz Frankreichs auf dem Festland vergleichbar fast mit der Napoleons geführt. Denn beide kleineren Nutznießer der Zerschlagung von Maria Theresias Reich, Sachsen und Bayern waren von Frankreich mehr (Bayern) oder minder (Sachsen) abhängig.
Mindestens genauso wichtig wie ihr Auftritt vor den ungarischen Ständen waren die Millionen, welche die Londoner Regierung locker machte. Österreich war 1740 pleite und es konnte nicht bergauf gehen, da ein erheblicher Teil der Besitzungen keine Steuern abwarf, da von Preußen, Franzosen oder Bayern bereits besetzt.

Vor dem Hintergrund kann man vielleicht auch Franz Stephan sehen. Bis auf Ferdinand III. war ja die 150 Jahre zuvor auch kein Herrscher des Habsburgerreiches Feldherr zugleich gewesen (und dafür hat Ferdinand III. außenpolitisch zu hoch gepokert). Das Dumme ist eben, dass es unter den Zeitgenossen eben doch etliche Feldherrenkönige gab: Friedrich II. von Preußen, Friedrich II. von Hessen-Kassel (kommandierte bei Laffeldt immerhin ein Treffen), Karl Emanuell von Sardinien (wohl mit Friedrich II. v. Pr. als Feldherrengenie zu vergleichen). Wäre Franz Stephan als strahlender Sieger aus dem Krieg heimgekehrt, wären andererseits sicherlich auch politisch die Karten in Wien anders gemischt worden, denn Siege bringen Prestige. Und auch in einer Monarchie kam man an der Stimmung der Straße irgendwie nicht vorbei.

3.
Du meinst jetzt Pazifismus im Allgemeinen oder betreffend die Kriege Maria Theresias im besonderen? Wobei ich denke, dass Österreich hier ja als angegriffenes Land eher in der moralisch stärkeren Position ist, auch wenn man sagen könnte, dass MT hätte ja ganz leicht allen Verwüstungen aus dem Wege gehen können indem sie schlichtweg zugunsten Karl Albrechts abgedankt hätte.

4.
Allerdings hat er welthistorisch betrachtet einfach so ziemlich nichts, was für ihn spricht.

5.
Da ist schon was dran.

Aus der Perspektive von damals war es vielleicht nicht so deutlich.

Aber irgendwie ist bei aller juristischen Legitimität doch auch so, dass die Habsburgermonarchie ein unglaublich künstliches Gebilde war, das aus der Vielzahl verschiedener Verfassungen innerlich wie äußerlich extrem labil war.
Es zusammen zu halten, konnte nur unter immer wieder angestrengten Einsatz von Gewalt gegen die divergierenden Kräfte erreicht werden. Egal ob in Belgien in den 1790ern, die Kuruzenaufstände am Beginn des 18.Jh. oder das Aufräumen unter den illoyalen Eliten in Böhmen in den 1740ern. Das alles trägt nicht gerade zu dem Eindruck bei, als ob dieses Länderkonglomerat in irgendeiner Weise das Vertrauen der Untertanen genoss. Die Zentralisierung unter Maria Theresia führte ja nur zu einer weiteren Form der nun bürokratisierten Unterdrückung der regionalen Interessen.
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 10:47 am    Titel: Antworten mit Zitat

prince d'amour hat Folgendes geschrieben:


Ich glaube kaum das man bei Franz Stephan von einer Minderbemitteltheit sprechen kann. Er und seine Gattin haben sich ergänzt und jeder seiner Natur entsprechend Aufgaben übernommen. Wenn ich nicht irre war es der Kaiser der sich um die Finanzangelegenheiten kümmerte. Dabei muss er wohl auch erfolgreich gewesen sein.

Wäre er als Herrscher aufgetreten, so hätte man ihn dafür mindestens als Sonderling angesehen.
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Teresa
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BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 6:31 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Brissotin hat Folgendes geschrieben:
Das Zitat stammt ja aus einem Werk der KuK-Zeit. Von daher kann man den Aspekt "Habsburger-Bashing" wohl ausschließen. Außerdem arbeitet es fast ausschließlich mit Primärquellen. Besprechungen der Kriegsräte werden oftmals im Glossar aufgeführt.
Seltsamerweise taucht er ja ganz kurz 1745 wieder auf.
Zu dumm, dass das Standardwerk zum Österr. Erbfolgekrieg just 1744/45 abbricht und nicht bis 1748 fortgesetzt wurde.


Bei der Frage ging es darum, was in der Primärquelle offiziell als Grund für die Abberufung angegeben war. Das hätte mich interessiert, und nicht aus welchem Buch zitiert wurde.

Davon abgesehen aber, habe ich inzwischen genug wissenschaftliche, quellenfundierte Arbeiten (aus verschiedenen Jahrhunderten) zu unterschiedlichen Themen gelesen und aus denen habe ich zumindest eines lernen dürfen. Die Berufung auf Primärquellen oder deren Einbezug und Verwendung ist noch kein Garant für eine seriöse und sachliche Geschichtsdeutung und Quellenauslegung ist.

Brissotin hat Folgendes geschrieben:
Das Dumme ist eben, dass es unter den Zeitgenossen eben doch etliche Feldherrenkönige gab: Friedrich II. von Preußen, Friedrich II. von Hessen-Kassel (kommandierte bei Laffeldt immerhin ein Treffen), Karl Emanuell von Sardinien (wohl mit Friedrich II. v. Pr. als Feldherrengenie zu vergleichen).
...

Du meinst jetzt Pazifismus im Allgemeinen oder betreffend die Kriege Maria Theresias im besonderen? ...


Ich meine: Pazifismus im Allgemeinen. Allerdings ist der Umstand, dass es zurzeit eines Franz Stephan von Lothringen etliche Feldherrenkönige gab, in diesem Zusammenhang nicht wirklich von Belang.

Auffällig ist jedenfalls, dass der Zeitgeist zwar vordergründig für Pazifismus als Ideal wirbt, aber historisch hat sich an den Bewertungskriterien bisher nichts geändert. Der ideale Herrscher als Held ist auch im 21. Jahrhundert noch immer der siegreiche Kriegsheld, da hat sich eigentlich nicht viel geändert. (Ausgenommen er ist ein Habsburger, die sind auch in der Wissenschaft, selbst sie siegreiche Feldherren waren, inzwischen immer nur Versager, Nieten und Dummköpfe.)

Brissotin hat Folgendes geschrieben:
Allerdings hat er welthistorisch betrachtet einfach so ziemlich nichts, was für ihn spricht.


Wer hat zu dieser Zeit tatsächlich etwas geleistet, was welthistorisch bedeutender wohl. Doch wohl nur die Engländer und die Franzosen mit ihrem Kolonialkriegen.

Brissotin hat Folgendes geschrieben:

...
Aber irgendwie ist bei aller juristischen Legitimität doch auch so, dass die Habsburgermonarchie ein unglaublich künstliches Gebilde war, das aus der
Es zusammen zu halten, konnte nur unter immer wieder angestrengten Einsatz von Gewalt gegen die divergierenden Kräfte erreicht werden. Egal ob in Belgien in den 1790ern, die Kuruzenaufstände am Beginn des 18.Jh. oder das Aufräumen unter den illoyalen Eliten in Böhmen in den 1740ern. Das alles trägt nicht gerade zu dem Eindruck bei, als ob dieses Länderkonglomerat in irgendeiner Weise das Vertrauen der Untertanen genoss. Die Zentralisierung unter Maria Theresia führte ja nur zu einer weiteren Form der nun bürokratisierten Unterdrückung der regionalen Interessen.


Wobei dieses "unglaublich künstliche Gebilde" immerhin Jahrhunderte gehalten hat, mehrere Epochen bestand hatte und im Wesentlichen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert existierte.
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Teresa
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Anmeldedatum: 25.07.2017
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2018 6:47 pm    Titel: Antworten mit Zitat

prince d'amour hat Folgendes geschrieben:
Warum sollten Historiker dieses Jahrhunderts eine historische Person aufgrund mangelnder Fremdsprachenkenntnisse unvorteilhaft beleuchten? Das erschließt sich mir nicht.

Ich glaube kaum das man bei Franz Stephan von einer Minderbemitteltheit sprechen kann. Er und seine Gattin haben sich ergänzt und jeder seiner Natur entsprechend Aufgaben übernommen. Wenn ich nicht irre war es der Kaiser der sich um die Finanzangelegenheiten kümmerte. Dabei muss er wohl auch erfolgreich gewesen sein.


Es geht bei meiner Auflistung eigentlich nicht darum, ob Franz Stephan minderbemittelt war, sondern wie er seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart gesehen wurde und die Hintergründe für diese Sichten.

--------------------

Ich habe vor einiger Zeit einmal, eine Revue passieren lassen, wer von den historischen Persönlichkeiten zurzeit "en mode" ist und sehr positiv gesehen wird, und wer zurzeit das hat, was wenig vornehm als die "Arsch-Karte" bezeichnet wird. Das Ergebnis war recht interessant, aber auch, was beide Gruppen verbindet. Ein Merkmal war das Beherrschen oder nicht Beherrschen von Fremdsprachen.

Warum Historikerinnen und Historiker des 21. Jahrhunderts historische Person aufgrund mangelnder Fremdsprachenkenntnisse unvorteilhaft beleuchten, ist eine gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe?

Vielleicht liegt es daran, dass die Beherrschung von fremden Sprachen inzwischen der Standard ist, nachdem gewertet wird. Wer sich mit Fremdsprachen schwer tut, hat - mein Eindruck - keine Zukunft. Zumindest ist auffallend, dass das die Aspekte sind, die bei erfolgreichen Menschen oder Menschen, bei denen eine erfolgreiche Vermarktung versucht wird, sich beobachten lassen.

Als ich aufgewachsen bin (20. Jahrhundert) war das mit dem Fremdsprachen auch schon ein Problem, aber nicht so extrem wie heute. Damals gab es noch anderes, was heute unwichtig ist, zum Beispiel noch eine gute Allgemeinbildung. Heute ist so etwas unwichtig, das liegt vielleicht daran, dass ein gut gefülltes Konto, das beste Handy und die beste Technik (inklusive Internetzugang) bereits ausreichen, um sich so etwas wie eine angebliche "Allgemeinbildung" beschaffen zu können. Ich bin noch ohne Handy und Internet aufgewachsen, wenn ich etwas auf Abruf bereit haben wollte, musste ich es mir in mühevoller Arbeit erst einmal in den Lexika und in der Bücherei oder der Bibliothek zusammenklauben und dann noch auswendig lernen.
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prince d'amour
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Anmeldedatum: 29.12.2009
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BeitragVerfasst am: Do März 29, 2018 8:45 am    Titel: Antworten mit Zitat

Teresa hat Folgendes geschrieben:
Als ich aufgewachsen bin (20. Jahrhundert) war das mit dem Fremdsprachen auch schon ein Problem, aber nicht so extrem wie heute. Damals gab es noch anderes, was heute unwichtig ist, zum Beispiel noch eine gute Allgemeinbildung. Heute ist so etwas unwichtig, das liegt vielleicht daran, dass ein gut gefülltes Konto, das beste Handy und die beste Technik (inklusive Internetzugang) bereits ausreichen, um sich so etwas wie eine angebliche "Allgemeinbildung" beschaffen zu können. Ich bin noch ohne Handy und Internet aufgewachsen, wenn ich etwas auf Abruf bereit haben wollte, musste ich es mir in mühevoller Arbeit erst einmal in den Lexika und in der Bücherei oder der Bibliothek zusammenklauben und dann noch auswendig lernen.


Da hast Du das heutige Weltbild gut zusammengefasst. Chapeau. Leider jedoch!
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Forenking






Verfasst am: Do März 29, 2018 8:45 am    Titel: Ähnliche Themen



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