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   MARIE ANTOINETTE - Forum Foren-Übersicht -> Marie Antoinettes Kinder
Autor: Trianon Verfasst am: Di Jul 29, 2014 6:46 pm Titel: Erpressung der Duchesse d'Angouleme durch Mme de Soucy
Bedingt durch die Ergebnisse der Untersuchungen zum Fall der Dunkelgräfin, bin ich wieder auf diese Dame aufmerksam geworden. Die verheiratete Marquise de Soucy war eine der Töchter der berühmten Madame de Mackau, eine der Sous-Gouvernanten der königlichen Kinder.
Selbst bis 1792 in diesem Amt, wurde sie schließlich von der Regierung dazu auserkoren Mme Royale nach Wien zu begleiten, obwohl diese lieber Mme de Tourzel mit sich genommen hätte.
Während dieser Reise muss allerdings etwas vorgefallen sein, denn Mme de Soucy reiste bald darauf wieder ab und bekam, anders als andere frühere Bedienstete, keine Pension und wurde auch nach der Rückkehr der Bourbonen nicht gern gesehen.

Als die Marquise schließlich nach der Revolution von 1830 mittellos war und sich bei dem Nervenarzt Lavergne in Crezy einmietete, begann sie an die im Exil lebende Duchesse d'Angouleme Bittbriefe zu schreiben. Nun waren diese natürlich keine Ausnahmeerscheinung, selbst dass sie anfangs sanfte Erpessungen glichen, war nichts neues. Spätestens aber als besagter Mssr Lavergne für die alte und kranke Marquise begann die Korrespondenz zu führen, änderte sich der Ton.
Es ging in den Erpresserbriefen eben um besagte Reise nach Wien und scheinbar gewissen Vorfällen, die sich ereignet hatten. Mme Royale dürfte sich der Marquise anvertraut haben und Mme de Soucy habe dies in ihr damaliges Tagebuch geschrieben. Dieses wolle sie nun, gewinnbringend verkaufen, sollte die Duchesse nicht zahlen.
Obwohl sich diese zuerst dagegen währte, dauerte es nicht lange und sie ließ über ihren Sekretär die gewünschten Geldsummen überweisen. Woraufhin diese natürlich nur höher steigen. Das Ganze endete auch nicht nach dem Tod der Marquise im Jahr 1841, sondern tatsächlich erst mit dem Tod der Duchesse selbst. Bis dahin hatte sie insgesamt 7 Millionen Francs an Erpressungsgelder gezahlt.

Nun fragt sich natürlich welches Geheimnis die Duchesse gehabt haben konnte, dass sie dazu bereit war solche Summen zu zahlen um es nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Es müsste etwas Schwerwiegendes gewesen sein, denn erst als der Arzt damit drohte es der Regierung in Paris und dem Schwiegervater und Mann der Duchesse mitzuteilen, war diese bereit zu zahlen. Mit Verleumdungen, Beleidigungen und Gerüchten konnte sie spätestens nach der Revolution von 1830 umgehen, wie gesagt gab es viele Erpressungsversuche, aber scheinbar wurde nur in diesem Fall gezahlt.
Der Briefverkehr befindet sich im Übrigen heute im französischen Nationalarchiv.

Egal was man nun von der Vertauschungstheorie hält (auch ich bin kein Anhänger dieser Theorie), etwas merkwürdig ist dieser Fall schon. Zumindest wäre es interessant was damals geschehen ist, dass es 40 Jahre danach noch immer weittragende Konsequenzen hätte...

Zuletzt bearbeitet von Trianon am Di Apr 04, 2017 11:47 am, insgesamt einmal bearbeitet


Autor: graziella Verfasst am: Di Jul 29, 2014 9:16 pm Titel:
Ja, das Thema ist wahrlich höchst interessant und auch ich wüßte zu gern, was es damit auf sich hat. Sicher irgend etwas mit den Ereignissen im Temple, was außergewöhnlich wichtig gewesen sein muss und für immer ein Geheimnis bleiben sollte. Sonst kann man sich nicht erklären, warum nach so vielen Jahren diese Erpressung möglich war. Das gibt natürlich Raum für viele Spekulationen.


Autor: MariaAntonia Verfasst am: Mo Sep 25, 2017 6:04 am Titel:
Huch, dieser Beitrag ist mir völlig entgangen Shocked
Interessant, was du da herausgefunden hast.
Die Dunkelgräfin-Angelegenheit ist ja nun geklärt, aber ich verstehe, dass dieser Vorfall die Theorie nur noch mehr unterstützt hat.

Allerdings frage ich mich, was mit den Tagebüchern dann geschehen ist.
Nach dem Tod der Duchesse hätte die Erpresserin ja die Bücher dennoch verkaufen können. Oder sie wären irgendwann von alleine aufgetaucht.


Autor: Trianon Verfasst am: Mo Sep 25, 2017 12:11 pm Titel:
Was mit den Tagebüchern/Aufzeichnungen passiert ist, konnte ich leider nicht wirklich eruieren. Angeblich gab es aber 53 Briefe zu dieser Angelegenheit zwischen der Duchesse und ihrem Sekretär, die weiterhin von seinen Nachfahren unter Verschluss gehalten werden.

Der Erpresser Dr. Magneur Lavergne starb wohl um 1848 in Neuilly sur Seine - also wohl bereits vor der Duchesse, eventuell hat er in seinem Testament irgendwelche Bestimmungen diesbezüglich hinterlassen. Oder die Hinterbliebenen haben entweder selbst entschieden es zu vernichten oder stillschweigen zu halten.

Es dürfte sich wohl um etwas gehandelt haben, dass ihren Ruf stark beschädigt hätte. Laut Briefpassagen des Dr. Lavergnes ging es um ein Geheimnis, dass schreckliche Konsequenzen für ihre Reputation mit sich gebrach hätte, wenn es veröffentlich worden wäre. Des Weiteren dürfte es wohl auch einige Male zu Treffen zwischen dem Sekretär und dem Arzt selbst gekommen sein.

Nachdem ja, wie MariaAntonia bereits erwähnt hat, nun fest steht, dass die Dunkelgräfin nicht Mme Royale war - was wäre so furchtbar gewesen, dass sich da jahrelang Korrespondenz, Treffen und Summen an Erpressungsgelder gehäuft haben. Vielleicht eine Liebesbeziehung mit einem der Wärter? Sie war ja doch längere Zeit komplett auf sich allein gestellt im Temple, eine junge heranwachsende Frau - es wäre zumindest möglich.


Autor: MariaAntonia Verfasst am: Di Sep 26, 2017 10:59 am Titel:
Trianon hat Folgendes geschrieben:
was wäre so furchtbar gewesen, dass sich da jahrelang Korrespondenz, Treffen und Summen an Erpressungsgelder gehäuft haben. Vielleicht eine Liebesbeziehung mit einem der Wärter? Sie war ja doch längere Zeit komplett auf sich allein gestellt im Temple, eine junge heranwachsende Frau - es wäre zumindest möglich.

Vielleicht eine Vergewaltigung während ihrer Gefangenschaft? Sad


Autor: Trianon Verfasst am: Mo Okt 02, 2017 7:52 am Titel:
Auch das wäre natürlich eine Möglichkeit - würde mich nun auch nicht weiter überraschen, wenn man drüber nachdenkt, wie die königliche Familie teilweise von den Wärtern behandelt wurden.
Frage mich allerdings ob man solche Unsummen gezahlt hätte, wenn es um eine Vergewaltigung gegangen wäre. Aber vielleicht kommt da nun das moderne Denken durch - ich weiß nicht inwiefern damals eine Vergewaltigung den Ruf des Opfers geschadet hätte


Autor: prince d'amour Verfasst am: Mo Okt 02, 2017 11:59 am Titel:
Vielleicht nicht dem Ruf, aber eventuell der daraus resultierenden Folgen.

Ich vermute jedoch eher die Vertauschung Theorie ist plausibler. Ohne Grund hat Sie sicher nicht gezahlt.


Autor: Forenking Verfasst am: Mo Okt 02, 2017 11:59 am Titel: Ähnliche Themen




Autor: Trianon Verfasst am: Mo Okt 02, 2017 2:31 pm Titel:
prince d'amour hat Folgendes geschrieben:

Ich vermute jedoch eher die Vertauschung Theorie ist plausibler. Ohne Grund hat Sie sicher nicht gezahlt.

Das wurde ja eigentlich bereits widerlegt bzw zumindest war es nicht die Dunkelgräfin


Autor: prince d'amour Verfasst am: Mo Okt 02, 2017 4:45 pm Titel:
Da hast Du Recht. Doch das war vielleicht nur eine Möglichkeit. Vielleicht ist die echte Mdm Royale auch vor Kummer gestorben. Immerhin wollten die Brüder des Königs ja das Erbe retten. Daher wäre es dann doch noch im Rahmen des Möglichen.


Autor: AustroBavarian Verfasst am: Mi Okt 04, 2017 4:06 pm Titel:
Völlig egal, was wir hier vermuten können - ohne die verschollenen Tagebücher bleibt alles nur reine Spekulation.

Und selbst wenn diese Tagebücher auftauchen sollten: Wer sagt uns - vorausgesetzt die Tagebücher sind dann auch zweifelsfrei echt - dass auch ihr Inhalt der Wahrheit entspricht und nicht der Phantasie der Autorin entsprungen ist.

Vergessen wir bitte nicht: Auch erfundene Skandalgeschichten und Verleumdungen können einen Menschen vernichten. Ich sage hier nur "Halsbandaffäre". Allein der Gedanke an diese Geschichte könnte Madame Royale schon zu den Zahlungen bewogen haben.


Autor: Trianon Verfasst am: Do Okt 05, 2017 8:46 am Titel:
AustroBavarian hat Folgendes geschrieben:

Vergessen wir bitte nicht: Auch erfundene Skandalgeschichten und Verleumdungen können einen Menschen vernichten. Ich sage hier nur "Halsbandaffäre". Allein der Gedanke an diese Geschichte könnte Madame Royale schon zu den Zahlungen bewogen haben.


Ich nehme nicht an dass es sich hierbei um solch eine Geschichte handelt. Schlussendlich wurde die Duchesse mehrmals in ihrem Leben erpresst, hat aber nur in diesem einem Fall über Jahre hinweg gezahlt. Das kommt einem dann doch sehr seltsam vor


Autor: prince d'amour Verfasst am: Fr Okt 06, 2017 7:53 am Titel:
Ich sehe es auch wie Trianon. Mal ganz ehrlich, warum hat denn noch niemand die DNA des Leichnams der Herzogin mit denen der Bourbonen verglichen. Dann wüsste man doch ganz sicher, ob eine Vertauschung stattfand.

Die Halsbandaffäre und Ihre Wirkungen sind ja eher Zeit und Situation geschuldet.


Autor: Trianon Verfasst am: Fr Okt 06, 2017 10:28 am Titel:
prince d'amour hat Folgendes geschrieben:
Ich sehe es auch wie Trianon. Mal ganz ehrlich, warum hat denn noch niemand die DNA des Leichnams der Herzogin mit denen der Bourbonen verglichen. Dann wüsste man doch ganz sicher, ob eine Vertauschung stattfand.

Weil es Testament(e) gibt, die eine Exhumierung bzw auch eine Transferierung der Gebeine in der Bourbonen Gruft in Slowenien verhindern. Ich persönlich muss auch sagen, dass so etwas meiner Meinung nach nicht notwendig ist. Da müsste man ja dann bei jeder irgendwie auftauchenden "Verschwörungstheorie" Leute ausgraben und nachprüfen - man darf ja nicht vergessen, es handelt sich hierbei um Menschen, diese haben durchaus ihr Recht auf Totenruhe.
Und spätestens seit dem "Dilemma" mit der Dunkelgräfin, würde ich sagen, dass die Vertauschungstheorie sich erübrigt hat.


Autor: graziella Verfasst am: Mo Okt 16, 2017 2:13 pm Titel:
Die Sache ist wirklich sehr spannend, kaum zu glauben, dass sich dieses Geheimnis so lange bewahren lies und bis heute nicht geklärt ist.

Ich glaube nicht, dass es sich um eine Vergewaltigung oder eine Liebesbeziehung mit einem ehemaligen Wärter handelte. Marie Therese hätte das bestreiten und es als Verleumdung darstellen können. Sich deshalb jahrelang erpressen lassen - wohl kaum?
Für mich sieht es eher nach Vertauschung aus, ob es sich um ihren Bruder, den Dauphin handelte? Wer kann es mit letzter Sicherheit sagen? Das ist meine persönliche Meinung.
Es gab ja auch die Gerüchte, (unabhängig davon, dass die Dunkelgräfin nicht Madame Royale war) die von einem Austausch Marie Thereses auf ihrem Weg nach Wien handeln. Angeblich könnte es auf der Festung Hüningen gewesen sein.

Tja, ich finde es zu schade, dass wir da nicht weiterkommen werden. Halt ein richtiges Geheimnis...


Autor: Forenking Verfasst am: Mo Okt 16, 2017 2:13 pm Titel: Ähnliche Themen





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