MARIE ANTOINETTE - Forum Foren-Übersicht MARIE ANTOINETTE - Forum

 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

     Intro     Portal     Index     
Hofzeremoniell Versailles und Schönbrunn
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    MARIE ANTOINETTE - Forum Foren-Übersicht -> Gästeforum - Fragen & Antworten
Das Thema drucken | Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Brissotin
Mitglied
Mitglied


Offline

Anmeldedatum: 10.03.2008
Beiträge: 1104
Wohnort: VÖ

BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 10:42 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es eigentlich spannend inwiefern man das Zeremoniell wirklich umging und sich einen Dreck darum scherte und z.B. die Favoriten die Rolle der Gemahlinnen einnahmen.
Ich habe neulich gehört, dass es bei Edward II. von England so gewesen sein soll, dass die junge Königin Isabelle dachte sie sei im falschen Film, als sie den Favoriten des Königs, Gaveston, bei allen möglichen Anlässen ihre Rolle einnehmen sah. So soll er auch an ihrer Stelle an der Tafel gespeist haben.
Ich habe mal die Briefe der Liselotte von der Pfalz gelesen und der Chevalier de Lorraine kommt da natürlich auch vor - aber als so anmaßend und machtbewusst wird er dort nicht beschrieben.
_________________
Ein Präsident kann doch mehr ausrichten als ein Amtmann. (Aus "Gustav Aldermann" F.T. Hase 1779)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Axel F.
Gast





BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 10:54 am    Titel: Antworten mit Zitat

Brissotin hat Folgendes geschrieben:
Ich finde es eigentlich spannend inwiefern man das Zeremoniell wirklich umging und sich einen Dreck darum scherte und z.B. die Favoriten die Rolle der Gemahlinnen einnahmen.

Spannend?
War es nicht eher den jeweiligen Gemalinnen gegenüber eine Verhöhnung bzw. Demütigung sondergleichen, wenn die Mätressen oder Favoriten öffentlich ihren Platz einnahmen?
Marie Antoinette - um beim Thema zu bleiben - hatte ja diesbezüglich noch Glück, in dem der König keine Mätresse unterhielt, statt dessen lieber auf die Jagd ging oder in seiner Werkstatt werkelte.
Aber ihre Vorgängerinnen (als Königin von Frankreich) hatten da z.T. wirklich zu kämpfen, um nicht innerlich zu zerbrechen.
Im übrigen sagt das auch eine Menge über den Sittenverfall am französischen Königshof aus (aber nicht nur dort), und ich mag mir erst gar nicht vorstellen, wie zügellos es diesbezüglich im alten Rom zuging, da ja die gleichgeschlechtliche Neigung vieler Kaiser überliefert ist.
Noch näher ins Detail möchte ich aber nicht gehen...
Nach oben
Trianon
Moderator
Moderator


Offline

Anmeldedatum: 04.03.2008
Beiträge: 5962
Wohnort: Montreuil

BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 11:18 am    Titel: Antworten mit Zitat

Axel F. hat Folgendes geschrieben:


Zitat:
Wenn das jetzt zwei Weiber wären statt zwei Kerle (...) wäre man es gewohnt.

Gewohnt ist nicht das, was ich meine. Handelt es sich um zwei Frauen, ist das - zumindest für mich - noch etwas anderes. Vernünftig begründen kann ich das zwar nicht, doch ich denke, dass auch etwas Toleranz dem (diesbezüglich) Intoleranten gegenüber nicht schaden kann... Wink

Ich gehe mal da nicht näher drauf ein - bitte das als Toleranz dem diesbezüglich Intoleranten ansehen...


Axel F. hat Folgendes geschrieben:

Spannend?
War es nicht eher den jeweiligen Gemalinnen gegenüber eine Verhöhnung bzw. Demütigung sondergleichen, wenn die Mätressen oder Favoriten öffentlich ihren Platz einnahmen?

Das muss eine furchtbare Demütigung für die jeweilige Königin gewesen sein, schlussendlich gab es da allerdings leider nicht viele Möglichkeiten. Schmollen, Tobsucht oder versuchen für den eigenen Seelenfrieden es hinzunehmen. Andererseits muss man es aber auch einmal so sehen - um der Königin bzw der Gemahlin den Rang abzulaufen, muss diese es auch auf eine gewisse Art und Weise zulassen.
Ludwig XIV. Gattin war ja eher sehr zurückgezogen, lebte lieber in ihren Privatgemächern mit den einigen wenigen verbliebenen spanischen Vertrauten - da braucht man eigentlich nur einen verliebten König, der das Zeremoniell ein wenig lockert und schon übernimmt man de facto den Platz der Gemahlin.
_________________
"Die ehemalige Prinzessin mit ihrem verschleierten Blick, der den Himmel zu suchen schien, und ihrem sanftem Lächeln,
glich einer vom Paradiese herabgestiegenen Heiligen."

Henri Sanson über Mme Élisabeth
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Brissotin
Mitglied
Mitglied


Offline

Anmeldedatum: 10.03.2008
Beiträge: 1104
Wohnort: VÖ

BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 11:23 am    Titel: Antworten mit Zitat

Axel F. hat Folgendes geschrieben:

Im übrigen sagt das auch eine Menge über den Sittenverfall am französischen Königshof aus (aber nicht nur dort), und ich mag mir erst gar nicht vorstellen, wie zügellos es diesbezüglich im alten Rom zuging, da ja die gleichgeschlechtliche Neigung vieler Kaiser überliefert ist.

Scheinbar hatte man ja in Rom mit Homosexualität weniger ein Problem gesellschaftlich als Du. Homophobie mag es schon gegeben haben. In einer Doku zu Nero wurde einmal das Akzeptanzproblem eines Herrschers angeführt, wenn dieser nicht seine Erfüllung in seiner standesgemäßen Ehe suchte, sondern sich stattdessen mit Geliebten aus niederen Kasten abgab.

Wobei ich den "Sittenverfall" am französischen Hof auch nicht so hoch veranschlagen würde. Es ist eben die Frage inwiefern die Mätressen öffentlich auftraten. Das gesellschaftliche Problem bestand einfach darin, dass man in praktisch allen europäischen Staaten zweierlei Maß anlegte.

Ein sächsischer Historiker hat mal betont wie unglaublich es sei, dass auf der einen Seite die sächsischen Untertanen unter Friedrich August I. für Ehebruch und vorehelichem Geschlechtsverkehr hart bestraft wurden (bis zu Landesverweisung und körperlicher Züchtigung), während der Kurfürst in öffentlich zur Schau gestelltem Ehebruch mit seinen Mätressen wie der Gräfin Cosel lebte.

Der permanente oder fallweise Ehebruch erklärt sich aber dadurch, dass die Vernunftehe die Norm war und die Neigungsehe die Ausnahme (ich glaube bei Talleyrands Eltern fand man das sogar seltsam).

Psychologisch ist es natürlich irrsinnig, welcher Druck auf die Menschen ausgeübt wurde. Homosexualität wurde als widernatürlich mit dem Tode bedroht (Fälle, dass lesbische Frauen verfolgt wurden, habe ich komischerweise noch keine gelesen). Da zahlreiche Menschen nie den sozialen Status erreichten, der eine Ehe erlaubte (z.B. Dienstboten) mussten diese sich des sexuellen Umganges theoretisch lebenslang enthalten, was man heute unter psychischen Gesichtspunkten als unvertretbar ansehen würde. Den Menschen wird heute meistenteils im gesetzlichen Rahmen eine freie Auslebung der Sexualität erlaubt.

Das Quellenstudium, das ich bisher betrieben habe, führte mich zu der Auffassung, dass selbst bei einer geringen Dichte von Ehebrüchen, diese aber auch im bäuerlichen wie bürgerlichen Milieu sehr verbreitet war. Und wie soll es auch anders sein? Man ist mit einem Menschen verheiratet mit dem einen wahrscheinlich keine tieferen Gefühle verbinden und man hat ebenso wahrscheinlich die Chance Menschen kennenzulernen, die viel besser zu einem passen.

Die Sitten scheinen mir an den Höfen keine anderen als auf dem Dorf. Menschen nutzten hier wie dort ihre Machtpositionen egal ob durch Geld oder Einfluss aus, um sich ihre Vergnügen zu verschaffen (die vom Hausherrn oder Bekannten des Hausherrn missbrauchte Magd taucht leider immer wieder auf). Sexorgien wie vom Duc d'Orléans, dem Regenten, überliefert, kenne ich komischerweise aus der bürgerlichen Gesellschaft keine. Vielleicht war da die soziale und juristische Überwachung zu stark.

Ich glaub nicht, dass sich die Menschen über Jahrtausende geändert haben. Wer in seiner Zeit die Mittel dazu hatte, hat seinen "Lastern" oder sagen wir besser seiner Sexualität gefrönt (wirkliche Perverse will ich jetzt mal außen vor lassen). Wie auch heute. Also: was soll's?

Interessant finde ich an Louis XV, dass er beispielsweise am höfischen Zeremoniell vorbei im Geheimen in seinem Hirschgarten seinen Neigungen frönte. Mir fällt da als Äquivalent dazu der baden-durlachisch Markgraf, Feldherr und Blumenliebhaber Karl Wilhelm mit seinen "Sängerinnen" ein, denen er angeblich extra den Turm des Karlsruher Schlosses bauen ließ, wenn ich mich recht entsinne.
_________________
Ein Präsident kann doch mehr ausrichten als ein Amtmann. (Aus "Gustav Aldermann" F.T. Hase 1779)


Zuletzt bearbeitet von Brissotin am Do März 15, 2018 11:35 am, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Axel F.
Gast





BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 11:29 am    Titel: Antworten mit Zitat

Trianon hat Folgendes geschrieben:
Ich gehe mal da nicht näher drauf ein -

Schade.


Zitat:
bitte das als Toleranz dem diesbezüglich Intoleranten ansehen...

Ist toleriert.

Zitat:
Schmollen, Tobsucht oder versuchen für den eigenen Seelenfrieden es hinzunehmen. Andererseits muss man es aber auch einmal so sehen - um der Königin bzw der Gemahlin den Rang abzulaufen, muss diese es auch auf eine gewisse Art und Weise zulassen.


Ja, da ist was dran. Um den (legitimen) Rang zu kämpfen, war aber offenbar nicht jederfraus Sache.


Zitat:
Ludwig XIV. Gattin war ja eher sehr zurückgezogen, lebte lieber in ihren Privatgemächern mit den einigen wenigen verbliebenen spanischen Vertrauten - da braucht man eigentlich nur einen verliebten König, der das Zeremoniell ein wenig lockert und schon übernimmt man de facto den Platz der Gemahlin.

Auch das ist meines Erachtens nach richtig.
Hätte der sechzehnte Louis Frauen statt Hirschen nachgestellt, wäre es spannend gewesen, wie Marie Antoinette damit umgegangen wäre.
Hätte sie in ihrem Trianon die unzähligen Pamphlet-Verleumdungen dann aus Trotz wahr werden lassen?
Spekulieren möchte ich da aber lieber nicht, da es praktisch unmöglich ist ohne persönliche Kenntnis der Person.
Nach oben
Trianon
Moderator
Moderator


Offline

Anmeldedatum: 04.03.2008
Beiträge: 5962
Wohnort: Montreuil

BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 11:35 am    Titel: Antworten mit Zitat

Wie gesagt - als Frau in der damaligen Zeit, egal welchen Rang oder welche Position man inne hatte - hatte man es sicher alles andere als leicht. Gerade dann noch als Königin in der Öffentlichkeit zu stehen und den Mann öffentlich mit einer Mätresse zu sehen, da muss man dann vermutlich abwiegen inwiefern man sich da verhalten sollte/will/kann.
Kommt dann ganz auf die individuelle Person an, wie du das schon richtig erwähnt hast.

Schlussendlich - wenn der König es zulässt, dass eine Mätresse auch im Zeremoniell eine Rolle einnimmt, die ihr eigentlich nicht zusteht, waren einem die Hände gebunden. Bzw generell eigentlich - egal wie man zu dem Stand einer Mätresse stand - wenn der König sie in diese Rolle erhebte, musste man sich damit wohl oder übel arrangieren
_________________
"Die ehemalige Prinzessin mit ihrem verschleierten Blick, der den Himmel zu suchen schien, und ihrem sanftem Lächeln,
glich einer vom Paradiese herabgestiegenen Heiligen."

Henri Sanson über Mme Élisabeth
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Brissotin
Mitglied
Mitglied


Offline

Anmeldedatum: 10.03.2008
Beiträge: 1104
Wohnort: VÖ

BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 11:45 am    Titel: Antworten mit Zitat

Trianon hat Folgendes geschrieben:


Schlussendlich - wenn der König es zulässt, dass eine Mätresse auch im Zeremoniell eine Rolle einnimmt, die ihr eigentlich nicht zusteht, waren einem die Hände gebunden. Bzw generell eigentlich - egal wie man zu dem Stand einer Mätresse stand - wenn der König sie in diese Rolle erhebte, musste man sich damit wohl oder übel arrangieren

Wobei das mit dem Zeremoniell ja meistens m.W. eher durch die Hintertür passierte. Die Erhebung zur Hofdame der Königin wie bei der Marquise de Pompadour bei der Königin, erlaubte dem König seine Mätresse auch in der protokollarischen Welt des Hoflebens laufend zu sehen.

Sonst beherrschten die Mätressen ja meistens die Freizeit der Könige, wenn das Zeremoniell nicht regierte. Z.B. bei der Pompadour bei den Soupers im Privaten, die der König so liebte und die nach dem abgeschlossenen zeremoniellen Tagesablauf stattfanden und dem König eine Nische in seinem ansonsten strikten Leben erlaubten.

Ich denke, es ist bezeichnend, dass Herrscher, die einfach unstandesgemäß heiraten durften, da ihnen keine Verwandten oder Großmächte einen Strick daraus drehten wie der Alte Dessauer mit einer Apothekertochter, meistens keine Mätressen hatten. Mätressen sind doch außer vielleicht bei sexuell besonders umtriebigen Herrschern und Prinzen letztlich nichts anderes als ein Ehefrauersatz.
_________________
Ein Präsident kann doch mehr ausrichten als ein Amtmann. (Aus "Gustav Aldermann" F.T. Hase 1779)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Trianon
Moderator
Moderator


Offline

Anmeldedatum: 04.03.2008
Beiträge: 5962
Wohnort: Montreuil

BeitragVerfasst am: Do März 15, 2018 11:47 am    Titel: Antworten mit Zitat

Da stimmte ich dir zu. Im Grunde war es eine Art und Weise neben der dynastischen Ehefrau doch noch Platz in einem Leben zu schaffen für eine Person, die man liebte oder für die man wirklich Gefühle hatte.
Klingt vielleicht ein wenig sentimental gerade, aber ja Mr. Green
_________________
"Die ehemalige Prinzessin mit ihrem verschleierten Blick, der den Himmel zu suchen schien, und ihrem sanftem Lächeln,
glich einer vom Paradiese herabgestiegenen Heiligen."

Henri Sanson über Mme Élisabeth
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Forenking






Verfasst am: Do März 15, 2018 11:47 am    Titel: Ähnliche Themen



Nach oben
Axel F.
Gast





BeitragVerfasst am: Fr März 16, 2018 3:18 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Brissotin hat Folgendes geschrieben:

Scheinbar hatte man ja in Rom mit Homosexualität weniger ein Problem gesellschaftlich als Du. Homophobie mag es schon gegeben haben.

Dass Du mich mit der römischen Gesellschaft vergleichst, schmeichelt mir zwar Wink , doch von Homophobie würde ich jetzt in meinem Fall nicht zwingend sprechen wollen. Wie ich schon sagte: ich möchte frei entscheiden können, was ich mir im Fernsehen ansehe, und da gibt es Dinge (wie die von mir erwähnten), die ich mir nicht ansehen möchte. Mit einer Phobie hat das meines Erachtens nichts zu tun.

Zitat:
In einer Doku zu Nero wurde einmal das Akzeptanzproblem eines Herrschers angeführt, wenn dieser nicht seine Erfüllung in seiner standesgemäßen Ehe suchte, sondern sich stattdessen mit Geliebten aus niederen Kasten abgab.

Mich wundert etwas, dass Du dieses durchaus natürliche Verhalten (ich meine das "Akzeptanzproblem") zu etwas Besonderem stilisierst, was es meiner Ansicht nach nicht ist.

Zitat:

Wobei ich den "Sittenverfall" am französischen Hof auch nicht so hoch veranschlagen würde. Es ist eben die Frage inwiefern die Mätressen öffentlich auftraten. Das gesellschaftliche Problem bestand einfach darin, dass man in praktisch allen europäischen Staaten zweierlei Maß anlegte.

Das ist auch wieder wahr.

Zitat:

Ein sächsischer Historiker hat mal betont wie unglaublich es sei, dass auf der einen Seite die sächsischen Untertanen unter Friedrich August I. für Ehebruch und vorehelichem Geschlechtsverkehr hart bestraft wurden (bis zu Landesverweisung und körperlicher Züchtigung), während der Kurfürst in öffentlich zur Schau gestelltem Ehebruch mit seinen Mätressen wie der Gräfin Cosel lebte.

Ist doch im Grunde wie heutzutage: Nimmt eine Verkäuferin nach Ladenschluss einen vom Kunden vergessenen Pfandbon an sich und löst ihn ein, muss sie u.U. mit einer Kündigung rechnen. Fliegt aber der Verteidigungsminister mit einer Maschine der Bundeswehr in den Urlaub, steht das auf einem anderen Blatt.
Mir ist schon klar, dass der Vergleich nicht wirklich passend ist, doch er soll ja nur beispielhaft dafür stehen, wie in solchen Dingen mit zweierlei Maß gemessen wird.

Zitat:
Der permanente oder fallweise Ehebruch erklärt sich aber dadurch, dass die Vernunftehe die Norm war und die Neigungsehe die Ausnahme (ich glaube bei Talleyrands Eltern fand man das sogar seltsam).

Das mag so gewesen sein, ja.
Aber andererseits hat kaum ein Herrscher etwas daran geändert.
Um so mehr freut es mich, dass es heute gang und gäbe ist, dass Blaublüter Bürgerliche ehelichen, also eine Neigungsehe schließen, wie Du es nennst.

Zitat:
Psychologisch ist es natürlich irrsinnig, welcher Druck auf die Menschen ausgeübt wurde. Homosexualität wurde als widernatürlich mit dem Tode bedroht (Fälle, dass lesbische Frauen verfolgt wurden, habe ich komischerweise noch keine gelesen). Da zahlreiche Menschen nie den sozialen Status erreichten, der eine Ehe erlaubte (z.B. Dienstboten) mussten diese sich des sexuellen Umganges theoretisch lebenslang enthalten, was man heute unter psychischen Gesichtspunkten als unvertretbar ansehen würde. Den Menschen wird heute meistenteils im gesetzlichen Rahmen eine freie Auslebung der Sexualität erlaubt.

Ist alles sehr vernünftig, was Du da schreibst.
Nur ist es einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks bzw. der persönlichen Toleranz, Handlungen dieser Art, die um 20.15 Uhr im TV gezeigt werden, ansehen zu wollen oder nicht.
Soll heißen: was hinter verschlossenen Türen geschieht, hat mich nichts anzugehen, doch wenn es mir öffentlich vorgesetzt wird, behalte ich mir das Recht vor, meine Meinung dazu zu äußern. Dieses Recht haben wir alle, wie Du weißt.

Zitat:
Das Quellenstudium, das ich bisher betrieben habe, führte mich zu der Auffassung, dass selbst bei einer geringen Dichte von Ehebrüchen, diese aber auch im bäuerlichen wie bürgerlichen Milieu sehr verbreitet war. Und wie soll es auch anders sein? Man ist mit einem Menschen verheiratet mit dem einen wahrscheinlich keine tieferen Gefühle verbinden und man hat ebenso wahrscheinlich die Chance Menschen kennenzulernen, die viel besser zu einem passen.

Die Sitten scheinen mir an den Höfen keine anderen als auf dem Dorf. Menschen nutzten hier wie dort ihre Machtpositionen egal ob durch Geld oder Einfluss aus, um sich ihre Vergnügen zu verschaffen (die vom Hausherrn oder Bekannten des Hausherrn missbrauchte Magd taucht leider immer wieder auf). Sexorgien wie vom Duc d'Orléans, dem Regenten, überliefert, kenne ich komischerweise aus der bürgerlichen Gesellschaft keine. Vielleicht war da die soziale und juristische Überwachung zu stark.

Ich glaub nicht, dass sich die Menschen über Jahrtausende geändert haben. Wer in seiner Zeit die Mittel dazu hatte, hat seinen "Lastern" oder sagen wir besser seiner Sexualität gefrönt (wirkliche Perverse will ich jetzt mal außen vor lassen). Wie auch heute. Also: was soll's?

Eine - wieder mal - interessante Analyse. Da könnte ich jetzt nur die Moralkeule drohend schwingen, doch ich mutmaße, dass Dich das völlig kalt lassen würde - hab ich recht? Wink

Zitat:
Interessant finde ich an Louis XV, dass er beispielsweise am höfischen Zeremoniell vorbei im Geheimen in seinem Hirschgarten seinen Neigungen frönte. Mir fällt da als Äquivalent dazu der baden-durlachisch Markgraf, Feldherr und Blumenliebhaber Karl Wilhelm mit seinen "Sängerinnen" ein, denen er angeblich extra den Turm des Karlsruher Schlosses bauen ließ, wenn ich mich recht entsinne.

Du weißt aber, davon gehe ich einfach mal aus, dass es eines dieser rehäugigen kleinen Dinger aus just jenem Hirschgarten war, bei der sich der lüsterne König sehr wahrscheinlich die todbringende Krankheit geholt hat, nicht etwa bei seiner Mätresse.
Was uns das wohl lehrt?!
Nach oben
Axel F.
Gast





BeitragVerfasst am: Fr März 16, 2018 3:24 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Trianon hat Folgendes geschrieben:
Im Grunde war es eine Art und Weise neben der dynastischen Ehefrau doch noch Platz in einem Leben zu schaffen für eine Person, die man liebte oder für die man wirklich Gefühle hatte.
Klingt vielleicht ein wenig sentimental gerade...

Für mich war das schlicht und einfach scheinheilig. Dass zwei Menschen leiden mussten (zunächst die betrogene Gemahlin, aber auch die letztlich unglückliche Gespielin, da sie nie ganz bekommen konnte, wonach sie strebte), hätte nicht so sein müssen, doch schließlich war da ja noch der "Patron", dem so eine Konstellation - gestern wie heute - doch recht gut gefallen haben dürfte, solange keine der "Nebenbuhlerinnen" exklusive Ansprüche anmeldete...
Nach oben
Brissotin
Mitglied
Mitglied


Offline

Anmeldedatum: 10.03.2008
Beiträge: 1104
Wohnort: VÖ

BeitragVerfasst am: Fr März 16, 2018 5:16 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Axel F. hat Folgendes geschrieben:

Du weißt aber, davon gehe ich einfach mal aus, dass es eines dieser rehäugigen kleinen Dinger aus just jenem Hirschgarten war, bei der sich der lüsterne König sehr wahrscheinlich die todbringende Krankheit geholt hat, nicht etwa bei seiner Mätresse.
Was uns das wohl lehrt?!

Hm, brauchte er den 1774 noch? Er war ja da schon lange mit der Du Barry zusammen. Hast Du ne belastbare Quelle?

Pocken scheinen mir durch alles mögliche übertragen worden zu sein. Das sonderbare war, glaube ich, dass zumindest zu dem Zeitpunkt keiner aus dem näheren Umfeld des Königs darunter litt.
_________________
Ein Präsident kann doch mehr ausrichten als ein Amtmann. (Aus "Gustav Aldermann" F.T. Hase 1779)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
prince d'amour
Mitglied
Mitglied


Offline

Anmeldedatum: 29.12.2009
Beiträge: 782

BeitragVerfasst am: Sa März 17, 2018 7:10 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hatte in dem Zusammenhang nur mal gelesen, dass wohl ein Bauernmädchen in der Gegend um Versailles an den Pocken erkrankt war.
_________________
"Ein Hofstaat ist eine Versammlung edler und vornehmer Bettler"

Talleyrand über den Hof Versailles
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Axel F.
Gast





BeitragVerfasst am: Di März 20, 2018 2:22 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Brissotin hat Folgendes geschrieben:
Hm, brauchte er den 1774 noch? Er war ja da schon lange mit der Du Barry zusammen. Hast Du ne belastbare Quelle?

Meine, das in einem Buch gelesen zu haben. Da ich aber so aus dem Stand weder mit dem Titel noch mit dem Autor dienen kann, ist diese "Quelle" für den Moment wohl eher nicht belastbar.

Zitat:

Pocken scheinen mir durch alles mögliche übertragen worden zu sein. Das sonderbare war, glaube ich, dass zumindest zu dem Zeitpunkt keiner aus dem näheren Umfeld des Königs darunter litt.

Sonderbar finde ich, dass sich die Du Barry (und auch andere) nicht beim König ansteckte, denn es ist ja überliefert, dass sie bis zuletzt für ihn da war und den Kontakt zu ihm trotz höchster Ansteckungsgefahr nicht scheute.
Eigentlich sehr seltsam...
Nach oben
Trianon
Moderator
Moderator


Offline

Anmeldedatum: 04.03.2008
Beiträge: 5962
Wohnort: Montreuil

BeitragVerfasst am: Di März 20, 2018 2:48 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bitte euch noch einmal nicht so abzuschweifen - auch der Tod von Ludwig XV. hat hier nichts mit dem ursprünglichen Thema des Threades zu tun.
_________________
"Die ehemalige Prinzessin mit ihrem verschleierten Blick, der den Himmel zu suchen schien, und ihrem sanftem Lächeln,
glich einer vom Paradiese herabgestiegenen Heiligen."

Henri Sanson über Mme Élisabeth
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Brissotin
Mitglied
Mitglied


Offline

Anmeldedatum: 10.03.2008
Beiträge: 1104
Wohnort: VÖ

BeitragVerfasst am: Di März 20, 2018 4:32 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Trianon hat Folgendes geschrieben:
Ich bitte euch noch einmal nicht so abzuschweifen - auch der Tod von Ludwig XV. hat hier nichts mit dem ursprünglichen Thema des Threades zu tun.

Die Mätressen aber gewissermaßen m.E. schon.

Ich habe am Wochenende nochmal in die Briefe der Liselotte von der Pfalz geschaut und irgendwie bekam ich den Eindruck, dass sich so rasend viel seitdem in Versailles bis in die Zeit von Louis XV nicht geändert hat. Auch bei ihr findet man diese Nischen des Privatlebens, die auch in ihrem Tagesablauf den sie einmal einer Freundin (der Raugräfin oder Kurfürstin Sophie) schreibt, deutlich hervor treten.
Das Hofleben ist eine Art Fassade, die unter Louis XIV wohl nicht nur vom Hof selbst sondern auch vom Monarchen zusehends Besitz ergriff. Hat er anfangs noch recht unbefangen mit Madame geplaudert, so sprach er später kaum ein Wort mehr mit ihr und er verlor überhaupt an der Tafel kaum mehr Worte als das Allernötigste, während die Konversation ins Private verlagert wurde, wo er nach wie vor noch bisweilen auch in hohem Alter noch guter Dinge sein konnte.

Das Gleiche scheint mir auch bei Louis XV der Fall - vielleicht auch bei Louis XVI. Vielleicht 1/4 des Tages war das Zeremoniellprogramm, 1/4 vielleicht Arbeit und 1/4 Vergnügen und Plausch mit Freunden (Jagd, soupers privées, Ausfahrten).
Die Jagd war vielleicht ein Bereich, wo sich die Könige recht ungekünstelt geben konnten, hatte aber wohl auch eine Funktion im Hofleben, nämlich den König agil also fit zu präsentieren.
_________________
Ein Präsident kann doch mehr ausrichten als ein Amtmann. (Aus "Gustav Aldermann" F.T. Hase 1779)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Forenking






Verfasst am: Di März 20, 2018 4:32 pm    Titel: Ähnliche Themen



Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    MARIE ANTOINETTE - Forum Foren-Übersicht -> Gästeforum - Fragen & Antworten Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5  Weiter
Seite 3 von 5

 
Gehe zu:  
Du kannst Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Impressum des Forums | Datenschutz | Kostenloses Homepage Forum von Forenking.com | Powered by © phpBB Group