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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Fr Sep 17, 2010 8:36 am    Titel: Antworten mit Zitat


200 Jahre Oktoberfest !

Feiern1

Morgen beginnt ein historisches Oktoberfest.
Vor 200 Jahren fand es (am 17.10.1810) zum ersten Mal statt, anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen.

Gern sagt so mancher, es finde das 200. Oktoberfest statt, doch das stimmt nicht ganz. Denn das Fest fiel (hauptsächlich aus Gründen von Kriegen) einige Male aus.
2008 gab es das 175. Jubiläum, so dass wir also in diesem Jahr das 177. Oktoberfest feiern.

Ich hatte eigentlich geplant, nächste Woche hin zu fahren, aber leider klappt das doch nicht.
Schade, denn anlässlich der 200-Jahr-Feier gibt es zusätzlich zum bekannten Festbereich einen historischen Bereich. Hier kann man sich anschauen, wie das Ursprungsfest 1810 aussah.
Wer also die Chance hat, die Wiesn' zu besuchen, der nehme bitte einen Fotoapparat mit Mr. Green

Arrow wiki-Artikel zum Oktoberfest
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Trianon
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BeitragVerfasst am: Fr Sep 17, 2010 10:25 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ein schönes Jubiläum und toll dass an das historische Fest vor 200 Jahren erinnert wird! Diesen Bereich würd ich wirklich zuu gerne sehen, hoffen wir auf User-Fotos, sonst gibts ja vielleicht im Netz ein paar Smile
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"Die ehemalige Prinzessin mit ihrem verschleierten Blick, der den Himmel zu suchen schien, und ihrem sanftem Lächeln,
glich einer vom Paradiese herabgestiegenen Heiligen."

Henri Sanson über Mme Élisabeth
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Fr Sep 17, 2010 11:23 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe meine Schwester gebeten, Fotos zu machen.
Sie geht auf alle Fälle hin (wohnt ja nicht weit weg) und freut sich auf den historischen Teil.
Sie sagte vorhin am Telefon, dass es u.a. ein Festzelt wie aus 1810 geben wird und dort werde dann auch Bier ausgeschenkt, wie es 1810 gebraut wurde.
Das jedoch nur im historischen Bereich, der ca. 4 € Eintritt kosten wird.
Zudem wird es zur Wiesn'-Geschichte ein Museum geben, ein altes Karroussel und ein historisches Pferderennen.

Da hat man sich wohl echt was Schönes einfallen lassen.
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Lolo
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BeitragVerfasst am: Sa Sep 18, 2010 10:33 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde auch mal aufs Oktoberfest gehen, wenn es wieder so wäre wie vor 200 Jahren. Mr. Green Ansonsten interessierts mich nicht so besonders.
Wünsche allen Teilnehmenden viel Spaß! Oktoberfest

Lolo
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Lolo
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BeitragVerfasst am: So Okt 03, 2010 7:04 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Na, habta alle schön die Einheit jefeiert? Wat für'n Freudentaumel... müde Auferlegte Feierstimmung, was gibt es Schöneres... *räusper* Und dann noch ein geklauter freier Tag...

Lolo
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Giuseppe
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BeitragVerfasst am: So Okt 03, 2010 10:21 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Schade, dass man sich an einem Feiertag wie diesem nicht wenigstens ein bisschen freuen kann...
Ich jedenfalls finde diesen Tag sehr wichtig und habe nichts von "auferlegter Feierstimmung" gespürt Wink
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"Von oben herab muss reformiert werden, wenn nicht von unten hinauf revolutioniert werden soll." - Karl Julius Weber
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 6:15 am    Titel: Antworten mit Zitat

Gefeiert haben wir nicht - ich brauche dazu kein 20-jähriges Jubiläum... ich gedenke irgendwie ständig an die deutsche Einheit.
Ohne die hätte ich vor 10 Jahren meinen Schatz nicht kennengelernt.

Ich finde es schlimm, dass Ost gegen West und West gegen Ost immernoch wettert.
Und dass denen irgendwie nicht klar zu sein scheint, dass durch die Wende ein - von fremder Hand Evil or Very Mad - gespaltenes Land endlich wieder EINS wurde. Dass durch die Wende kein Unrecht geschah, sondern endlich für Recht gesorgt wurde.
Ich finde es schlimm, dass "Ost" und "West" überhaupt noch ein Thema ist, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Deutschland EIN Land ist.

Und aus diesem Grund finde ich diese von den Medien aufgebauschte Feierlaune zum Schreien.
Es ist so, als wolle gar keiner feiern, aber dank den Medien wird man zum Glück wochenlang vorher dran erinnert.

Und ganz besonders schlimm finde ich, dass die ehemals russischen Besatzer der DDR gemeinsam mit uns feiern... so, als wären sie gar nicht Schuld an der Trennung gewesen...


Dennoch muss ich sagen, begeistern mich die derzeitigen TV-Sendungen doch.
Ich war ja letztes Jahr - zur 20-Jahrfeier des Mauerfalls - schon total angenervt, dass es wochenlang nix anderes im TV gibt, als diese Wende-Sendungen. Mir schwante schon, dass es in diesem Jahr weitergehen wird, wenn wir "20 Jahre Einheit" feiern.
Doch muss ich sagen, ich habe einige Sendungen gesehen, die super interessant waren; z.B. die Sendungen um die Stasi, denn das war ein Thema, das ich als Kind nie verstanden habe.
Aber auch die Sache mit der Treuhandanstalt, die die Aufgabe hatte, die DDR-Firmen zu privatisieren. Hierbei kam es zu einem derart großen Missbrauch, dass mir echt schlecht wurde beim Schauen der Doku. Was da für Gelder verschenkt wurden, die unserem Gesamtdeutschland hätten zugute kommen können... boah, ich hab gedacht, ich seh nicht richtig.
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Giuseppe
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 9:42 am    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Und ganz besonders schlimm finde ich, dass die ehemals russischen Besatzer der DDR gemeinsam mit uns feiern... so, als wären sie gar nicht Schuld an der Trennung gewesen...


Man kann nicht nur den Russen die Schuld an der Trennung geben (natürlich schon eine Hauptschuld), zumal man auch bedenken sollte, dass es ohne Gorbatschow nicht so leicht zu einem geeinten Deutschland hätte kommen können. Also finde ich es richtig, dass man auch die Russen an einer Feier zur Einheit beteiligen sollte. Außerdem was bringt es, "alte" Fehden anzustacheln und zu sagen: "Ihr dürft nicht mitfeiern, denn ihr seid die Schuldigen"
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Verfasst am: Mo Okt 04, 2010 9:42 am    Titel: Ähnliche Themen

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AustroBavarian
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 10:39 am    Titel: Antworten mit Zitat

Es stimmt schon, dass die Russen - oder sagen wir besser, die "Sowjets" - an der deutschen Teilung mitschuldig waren. Ohne Gorbatschow und seiner im Vergleich zu seinen Vorgängern doch drastisch geänderten Politik und der damaligen doch sehr eindeutigen diplomatischen Signale aus dem Kreml wären die Schritte, die schließlich zur Wiedervereinigung führten, sicher nicht möglich gewesen.

Ich habe damals bereits in Wien gelebt und kann mich noch sehr gut an das von Otto von Habsburg iniziierte "Pan-Europa-Frühstück" an der österreichisch-ungarischen Grenze und das Zerschneiden des Grenzzauns zwischen dem damals noch kommunistischen Ungarn und dem freien Westen erinnern - ohne jegliche Gegenwehr von ungarischer Seite! Auch das war nur möglich, weil zuvor auf diplomatischer Ebene bereits abgeklärt wurde, dass die ungarischen Grenzsoldaten nicht schießen würden. Diese Grenzzaunöffnung bildete für viele DDR-Bürger, die ihren Urlaub im "Verbündeten" Ungarn verbrachten den ersten Schritt in Richtung BRD. Entlang der Autobahn von Wien nach Salzburg-München waren auf den Parkplätzen bereits Versorgungsstationen für die Weiterreise nach "West-"Deutschland aufgebaut. Auch die Vorbereitungen dazu konnten den Geheimdiensten aus Moskau, Budapest und Ost-Berlin nicht verborgen geblieben sein.

So gesehen finde ich es schon in Ordnung, wenn Vertreter des neuen Russlands zu den Gedenkfeiern eingeladen waren.

Für meine Generation, die praktisch im Bewusstsein aufwuchs, "auf der Bombe" zu leben, war der Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung eine kaum vorstellbare Weltsensation. Allein schon das Gefühl, dass die ständige, wenn auch meist verdrängte Angst vor einem Konflikt USA-UdSSR, der schließlich in Mitteleuropa ausgetragen worden wäre (übrigens: Die östlichste Verteidigungslinie der USA war der Rhein!!!) bewirkte ein kaum zu beschreibendes Glücksgefühl. Das Wort von der "schönen neuen Welt" gewann damals stark an Bedeutung. Bis uns dann der 11.9.2001 die Illusion von einem möglichen Weltfrieden nahm und uns in die Realität zurückkatapultierte.

Natürlich sahen wir Wirtschaftsleute auch die Probleme, die eine Wiedervereinigung eines Landes mit zwei unterschiedlichen Wirtschaftssystemen und unterschiedlicher Kulturen (erzwungen durch einen Todesstreifen, der auch in den Köpfen der Menschen eine Grenze gezogen hatte), trotzdem aber überwog unser Freude und unsere Zuversicht, dass Deutschland das schon "packen" würde.

Und heute, 20 Jahre danach, hat sich ja wirklich viel getan. Natürlich gibt es noch viele Probleme, natürlich macht sich bei Menschen, die mit den Anforderungen des hoch entwickelten Westens nicht Schritt halten konnten und somit zu "Opfern" der Wiedervereinigung wurden, eine "Ostalgie" und eine "in der guten alten DDR war's besser Mentalität" bemerkbar. Aber seien wir ehrlich: Was in den 28 Jahren, in denen Berlin von einer Mauer durchschnitten war, in den Menschen auf beiden Seiten des Todesstreifens kaputt gemacht wurde (im Westen wurden wir mit USA-Propaganda zugeschüttet) wieder zu heilen, wird wohl mehr als nur einer Generation bedürfen.

Liebe Grüße ins geeinte Deutschland sendet Euch
Euer AustroBavarian
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Louis XIV le Grand
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 12:04 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Nun ja, es ist natürlich leicht, zu sagen, dass die Wiedervereinigung nur möglich war, weil auch die SU zustimmte.
Das ist ja auch das Allermindeste, wenn die SU schon diejenigen waren, die das Land ursprünglich getrennt hatten.
Helden der Wiedervereinigung sind sie für mich dennoch nicht. Eher die "Teufel" der Teilung Wink
Deren kommunistisches System wurde in die DDR geimpft und als "ehrenvoll" gepriesen. Da lach ich mal ganz laut ! Wer die runtergewirtschafteten Städte und Gemeinden kennt, die Häuser, die aussahen, als stünden wir noch immer in der Nachkriegszeit...
Und dann die Art von "Demokratie", die sich daraus entwickelte...

Was war denn der eigentliche Grund, weshalb die SU mit der Wiedervereinigung einverstanden war ?
Menschlichkeit war es sicher nicht; das Recht eines Landes auf Selbständigkeit auch nicht; das Recht eines Volkes auf Zusammengehörigkeit auch nicht.
Die Tatsache, dass die DDR heruntergewirtschaftet war, dass man nix mehr holen konnte, alles Wertvolle geraubt war... ja, das macht es natürlich einfach, ein Land abzustoßen und glorreich zu verkünden, es sei an der Zeit, dass das Volk wieder eins wird.
Soll doch Gesamtdeutschland zusehen, wie es mit der Ruine DDR zurecht kommt.

Meine Großeltern gehören zu denen, die heute noch jammern, dass die DDR ja ach so toll war.
Wenn ich das höre, dann gibts immer riesen Streit.
Sie hatten lediglich das große Glück, sich nicht im Visier der allmächtigen Staatssicherheit zu befinden oder den Verlust eines lieben Menschen zu beklagen, der an der Grenze abgeknallt wurde.


@ AustroBavarian:

Natürlich dauert es generationen-lang, bis dieser Einschnitt in der deutschen Geschichte überwunden wird, zumal er ja auch finanziell gesehen ewig aktuell bleiben wird.
Die derzeitigen Kinder und Jugendlichen z.B. kennen dieses "Problem" nicht mehr. Sie kennen auch nicht die Euphorie, die vor 20 Jahren herrschte. Für sie ist es "nur" ein Teil der neuen Geschichte. Und das ist auch gut so, denn dass unser Land mal geteilt war und welche Verbrechen hierbei begangen wurden, das ist ja auch ein schier unglaublicher Fakt.

Das ist etwas, das für mich als Kind schon unvorstellbar war bzw. unerklärbar. Und auch jetzt noch ist es für mich einfach nur ein Affront gegen unser gesamtdeutsches Land.
Im Gegensatz zu meinen Großeltern und vielen anderen Menschen jedoch, richtet sich meine Wut über diese Phase meiner Vergangenheit nicht gegen mein eigenes Volk, sondern gegen die "Erfinder"... und da kommt nun mal die SU in Spiel Wink
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AustroBavarian
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 2:15 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Maria Antonia,

Politiker tun nur sehr selten etwas aus Menschenliebe, meist geht es um Macht und/oder Geld (Wirtschaftsinteressen) sowie das Abwägen verschiedener Szenerien, die dem aktuellen Machthaber am wenigsten schaden. Die Frage, ob eine Entscheidung auch für künfitge Generationen noch gut ist, wird kaum gestellt (erinnert fatal an "nach mir die Sintflut").

Auch bei der Wiedervereinigung war es sicher keine Menschenliebe des Kreml-Apparates, dass die damalige SU mit ihrer "Nichtreaktion" auf den Mauerfall "indirekt" der Wiedervereinigung zustimmte. Die Staaten des Ostblocks waren schlichtweg bankrott und die SU hatte ihre eigenen Probleme mit ihren eigenen nach Selbsständigkeit strebenden Völkern.

Gorbatschow hatte angesichts der eigenen drohenden Staatspleite in der UdSSR und den Unabhängigkeitsbestrebungen insbesondere der Ukraine mit seiner "Perestrojka" (=Umbau des Staates) und "Glasnost" (=Offenheit) eine "Revolution von oben" versucht. Ich gehe sogar so weit, darin gewisse Parallelen mit der Einberufung der Generalstände durch Louis XVI zu erkennen. In beiden Fällen blieb den "Herrschern" kaum eine andere Wahl und in beiden Fällen öffneten sie damit eine "Büchse der Pandora", die nicht mehr zu schließen war, was dazu führte, dass den Akteuren die Sache aus der Hand glitt und eine Eigendynamik entwickelte. Während Frankreich nach 1789 für Jahrzehnte im Blut versank verlief der Zerfall des kommunistischen Systems mit viel Glück in weiten Teilen der betroffenen Länder wesentlich harmloser (ausgenommen die Kaukasusregion und den Jugoslawien-Krieg, den man auch als Folge des Ostblock-Auseinanderbrechens bezeichnen kann). Dabei stand auch die Entwicklung in der UdSSR "Spitz-auf-Knopf". Wenn ich an den Putschversuch denke, während Gorbatschow auf Urlaub war und der mit einem Hasard-Spiel Jelzins (Verbot der KPdSU und Verhaftung der Putschisten, immerhin hohe Militärs) im Keim erstickt wurde, läuft's mir heute noch kalt den Rücken runter. Das hätte auch ganz anders ausgehen können.... wie vielleicht auch die Französische Revolution, wäre die Flucht von Louis XVI über die Reichsgrenze gelungen....

Aber die Frage "was wäre gewesen, wenn..." stellt sich ein ernsthafter Historiker ja (angeblich) nicht.

Also lassen wir das und seien wir froh, dass unserer Generation ein großes Blutvergießen erspart blieb. Damit sollte sich dann auch Dein Ärger über Deine Großeltern, die der "guten alten DDR" nachtrauern, wieder relativieren - beim Blick zurück verklärt sich halt so manches....

Liebe Grüße
vom AustroBavarian
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Lolo
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 3:27 pm    Titel: Antworten mit Zitat

MariaAntonia hat Folgendes geschrieben:
Nun ja, es ist natürlich leicht, zu sagen, dass die Wiedervereinigung nur möglich war, weil auch die SU zustimmte.
Das ist ja auch das Allermindeste, wenn die SU schon diejenigen waren, die das Land ursprünglich getrennt hatten.
Helden der Wiedervereinigung sind sie für mich dennoch nicht. Eher die "Teufel" der Teilung Wink


Naja, die BRD wurde noch vor der DDR gegründet, und zwar lange bevor die Mauer gebaut wurde. Die Alliierten wollten genauso eine Pufferzone wie die Russen, beide Seiten wollten auf ihre Sektoren nicht verzichten, wieso hätten die Russen, die mit Abstand die größten Kriegsverluste (25 Millionen Tote, im Vergleich dazu die Amerikaner 500.000) zu verzeichnen hatten auf ihren "Anspruch" verzichten sollen? Sie waren genauso Teil der Zerschlagung des NS Regimes. Wir können im Prinzip froh sein, dass alle Besatzer zumindest deutsche Staaten zugelassen hatten, das war ja ursprüngich ganz anders geplant. Den Russen die alleinige Schuld an der Teilung zuzuschreiben, halte ich für unzulässig.

Lolo
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 3:39 pm    Titel: Antworten mit Zitat

@ Lolo:
Dass Deutschland in mehrere Besatzungszonen geteilt wurde, weiß ich doch Wink
Nur machte die SU aus "ihrer" Zone gleich nen neuen Staat (wenn man das so nennen kann), der dann später auch noch ganz wunderbar eingezäunt wurde - wie ein Zoo.
Komischerweise blieben die anderen "Zonen" frei im Sinne von "frei" wie es damals eben möglich war. Eine gewisse Selbständigkeit und die Chance, sich wieder aufzurichten, war gewährleistet.
Die SU-Besatzungszone durfte stattdessen die nächsten Jahre ins Neandertal zurückkehren, Familien waren getrennt und dem DDR-Mensch wurde auf Jahrzehnte lang das verboten, was einen freien Mensch heute ausmacht usw. Hielt er sich nicht dran, wurde er überwacht, bespitzelt, kam ins Gefängnis (wegen freier Meinungsäußerung) oder wurde beim Versuch, das Land (wie ein freier Mensch das nunmal macht) zu verlassen, erschossen.
(kleine Anmerkung: Ich weiß, dass da deutsche Soldaten an der Grenze standen und dass Deutsche diesen Staat leiteten.)
DAS werfe ich der SU und diesem DDR-Regime vor, wenn ich von Teilung spreche, und ich glaube nicht, dass man sie einfach davon freisprechen darf.


AustroBavarian hat Folgendes geschrieben:
und seien wir froh, dass unserer Generation ein großes Blutvergießen erspart blieb.

Das ist in der Tat eine der richtig guten Seiten dieser Geschichte. Wie empfindlich dieses Thema damals war, ist ja bekannt; und wie schnell das alles hätte ganz anders ausgehen können, ebenso...

Wen es interessiert, in der ARD läuft seit 3 Wochen jeden Dienstag um 20:15 Uhr ein Teil der 6-teiligen Serie Weissensee.
Ich war wohl zu klein damals, um heute einschätzen zu können, ob die Serie authentisch ist. Sehenswert ist sie aber.
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 3:52 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ach so, ich dachte du meinst Teilung im Sinne von Staatenteilung. Was die SBZ betrifft, da saßen die dort lebenden Menschen zumindest auf lange Sicht gesehen am kürzeren Ende des Hebels. Allerdings ist es auch hier so, dass die Deutschen Kommunisten teilweise eifriger auf die Gründung eines Staates hinarbeiteten als die Russen selbst. Ulbricht hatte da seine ganz eigenen Vorstellungen und drängte deutlich früher auf eine Staatenbildung, als es der KPdSU lieb war.

Erstaunlich ist ja auch, wie skeptisch das Ausland auf die deutsche Einigung 1990 reagierte. Alle erinnern sich vermutlich an den Skandal, als vor einiger Zeit veröffentlich wurde, wie sehr die Briten gegen eine Wiedervereinigung waren und wie sehr die eiserne Lady Thatcher ein vereintes Deutschland fürchtete. Bei den Franzosen gab es ähnliche Vorbehalte. Alles alte Kriegswunden, vermutlich.
Und überhaupt hatten sich alle über Kohls 10 Punkte Plan aufgeregt, den er damals ohne jegliche Absprachen ins Spiel brachte. Auf jeden Fall ist es immer wieder erstaunlich, wie das vor 20 Jahren plötzlich alles so schnell ging, und wie normal es sich jetzt anfühlt.

Lolo
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 04, 2010 4:01 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, da war damals wohl auch einfach ab und an "Kommissar Zufall" am Werk.
Anders kann ich mir diese schnelle Wende gar nicht erklären.
Herr Kohl musste sicherlich viel Feingefühl beweisen, um die hohen Herren der anderen Staaten von "der guten Sache" zu überzeugen.
Ich kann mir vorstellen, dass er selbst nicht so recht wusste, was er da macht oder welches Ende so manche Besprechung nimmt. Sowas gab es ja zuvor noch nie... keine Handlungsanleitung, keine Vorschriften, keine Erfahrungen Laughing
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