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Hinrichtungen: Was faszinierte die Zuschauer daran?

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    MARIE ANTOINETTE - Forum Foren-Übersicht -> Die Französische Revolution
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PeterH
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Anmeldedatum: 08.03.2008
Beiträge: 265
Wohnort: Wertach

BeitragVerfasst am: So Okt 13, 2013 10:33 am    Titel: Hinrichtungen Antworten mit Zitat

Hallo.
Warum zogen früher Hinrichtungen solche Menschenmassen an?
Ob bei Ludwig XVI, Marie Antoinette, Charlotte Corday, Danton, Robespierre usw.
Waren bei allen Hinrichtungen soviele Leute oder nur bei den prominenten Opfern?
Auch bei den Tudors sieht man bei der Hinrichtung von Anna Boleyn, Thomas Morus, Thomas Cromwell, Katharina Howard usw. auch viele Menschen.

Was war so fastizierend daran, ich denke doch eher schrecklich und fruchtbar bei der Tötung von Menschen zuzuschauen.

Freundlichen Gruss Shocked
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Brissotin
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Anmeldedatum: 10.03.2008
Beiträge: 898
Wohnort: VÖ

BeitragVerfasst am: Do Okt 24, 2013 11:23 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, es spielt eine Rolle, was es ansonsten für Alternativen an Unterhaltung gab. Es gab ja noch keinen Fernseher, kein Radio und Theater- und Opernbesuche konnten sich viele ebenfalls nicht leisten, wenn denn sowas überhaupt in der nächsten Stadt möglich war. Außerdem gab es bei den Hinrichtungen ein buntes Begleitprogramm, ich glaube sogar Theatervorstellungen und sowas unter freiem Himmel. Es gab Liederblätter anlässlich besonders prominenter Hinrichtungen, welche gedruckt und vertrieben wurden.
Außerdem gibt es doch in jeder Gesellschaft einen gewissen Teil der Bevölkerung, der sensationslustig ist. Die High-Society-Magazine der Zeit aber hatten weder bunte Bilder (in der Regel garkeine oder fast keine), noch reißerische Texte. Wo kann man also seine Sensationslust besser befriedigen und wo bekommt man dazu auch als Teil der Unterschicht Zugang?
Es ist ja auch nicht so, dass damals wirklich JEDER diesem Begaffen von Hinrichtungen gefröhnt hätte. Es gab auch durchaus Leute, die das eher angewidert, mit Entsetzen oder garnicht taten.
Eine weithin bekannte Hinrichtung bspw. eines Mörders ist ungefähr mit einer Krönung, der Ankunft eines Potentaten in einer Provinzstadt, dem Feiern des Geburtstages eines Prinzen oder des Fürsten, einem Auszug zum Scheibenschießen, Schwörtag, städtischen Festen (wie Handwerkerumzügen, religiösen Festen wegen besonderen Heiligen etc.) und dergleichen an Wirkung als Zuschauermagnet zu vergleichen.
Ist es nicht auch so, dass noch heute, viele Menschen eine Freude zum einen am Pech anderer Leute haben (siehe entsprechende Fernsehformate), sich gern ekeln oder auch gern fürchten (Horrorfilme)? Wie war all das damals ohne Fernsehen so leicht zu erreichen wie mit einer Hinrichtung? Mir fallen jetzt auch Bilder von gedemütigten oder ermordeten Feinden der westlichen Gesellschaft in modernen Medien zum Vergleich ein.

Hinzu kommt m.E. eine andere Vorstellung von der Welt, von der göttlichen Gerechtigkeit, von den Aufgaben der Rechtssprechung. Man erfuhr von einem Richterspruch, aber evtl. wollte man auch Zeuge sein, dass die verhasste Person wirklich hingerichtet wurde. Bisweilen wurden auch denkbar ungerechte Urteile als gottgegeben akzeptiert bzw. vom Richterspruch auf die Schuld des vermeintlichen Täters zurück geschlossen.
Obendrein war die FNZ eine Zeit der Präsenzgesellschaft. D.h. man war nur von Bedeutung, wenn man dies bei öffentlichen Anlässen auch demonstrierte und öffentliche Hinrichtungen zählten da genauso dazu wie der Kirchgang. Wer in der Hierachie wo stand, wurde durch die Reihenfolge in Prozessionen und dergleichen deutlich der Gesellschaft vor Augen geführt. Um so öfter man seine Rolle in der Gesellschaft demonstrierte, um so einprägsamer wurde sie den anderen. Außerdem konnte man seine Stellung auch durch Präzedenzfälle ausbauen, wozu quasi jeder Anlass gut genug war.

Ich könnte noch dutzende mehr Zeilen über die Triebfeder der Leute referieren, aber ich lass das erstmal dabei bewenden. Vielleicht kommen ja noch Rückfragen.
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Ein Präsident kann doch mehr ausrichten als ein Amtmann. (Aus "Gustav Aldermann" F.T. Hase 1779)
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MariaAntonia
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Anmeldedatum: 03.03.2008
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Wohnort: Rheinhessen

BeitragVerfasst am: Fr Okt 25, 2013 11:35 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, wir Menschen sind nunmal "sensationsgeil" - früher schon und heute auch immernoch... der eine mehr, der andere weniger.

Warum entstehen Autobahnstaus auf der Seite, auf der gar kein Unfall ist?
Weil die Schaulustigen rüber auf die andere Seite gaffen müssen, um ja genug vom Unfall sehen zu können.
Das Leid anderer fasziniert uns heute wie früher.

Aus diesem Grund werden auch hauptsächlich nur schlechte Nachrichten im TV, Radio und Web gebracht.
Keinen interessiert es, wenn es "beinahe" einen Unfall gegeben hätte.

Ins triste Leben des 18. Jahrhunderts kamen plötzlich diese Hinrichtungen mit allem Tamtam und endlich gab es mal wieder was zum Schauen.
Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen jahrelang keine solche Sensation mehr erlebt haben - vor allem unter Louis XVI dürfte es kaum/keine Todesurteile und öffentliche Hinrichtungen gegeben haben, oder?
Und plötzlich gibt es wieder welche, noch dazu stehen ganz hohe Herrschaften auf dem Schafott.

Ich meine aber, dass die Masse der Hinrichtungen doch dann auch wieder an Interesse verloren haben, oder?
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Brissotin
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Beiträge: 898
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BeitragVerfasst am: Fr Okt 25, 2013 11:59 am    Titel: Antworten mit Zitat

MariaAntonia hat Folgendes geschrieben:

Ins triste Leben des 18. Jahrhunderts kamen plötzlich diese Hinrichtungen mit allem Tamtam und endlich gab es mal wieder was zum Schauen.
Ich kann mir vorstellen, dass die Menschen jahrelang keine solche Sensation mehr erlebt haben - vor allem unter Louis XVI dürfte es kaum/keine Todesurteile und öffentliche Hinrichtungen gegeben haben, oder?
Und plötzlich gibt es wieder welche, noch dazu stehen ganz hohe Herrschaften auf dem Schafott.

Ich meine aber, dass die Masse der Hinrichtungen doch dann auch wieder an Interesse verloren haben, oder?

Ich denke, dass es unter Louis XVI genausoviele Todesurteile wie zuvor gab. Wie kommst Du darauf, dass es weniger gegeben habe? Die Hinrichtung war die gewöhnliche Ahndung für Schwerverbrechen wie Mord, Selbstmord (klingt etwas seltsam, war aber so) und einiges mehr. Ich bin nun kein Kenner der Kriminalgeschichte Frankreichs. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es nach 1774 auf einmal weniger Mörder oder andere Verbrecher gegeben haben wird als zuvor. Die Straßen Frankreichs galten zwar im Ancien Régime mit zu den besten Europas. Aber Straßenraub und dergleichen scheint es dennoch kaum weniger als bspw. in Deutschland gegeben zu haben. Verschärfend mag bei dem Aspekt die wirtschaftliche Lage und die Verarmung bestimmter Teile der Bev. am Ende der Herrschaft von Louis XVI noch dazu gekommen sein (man beobachtet das eigentlich überall, dass in Regionen wirtschaftlichen Niedergangs oder kriegerischer Entwurzelung der Bev. das Räuberunwesen zunahm).
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PeterH
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BeitragVerfasst am: Fr Okt 25, 2013 7:44 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo was man zur Französischen Revolution sagen kann. Das furchtbare Todesstrafenarten wie das Rädern,Vierteilen oder das schreckliche englische,schottische Hinrichtungsart nicht mehr stattfanden. Jedoch wie es in Nantes war wo die Leute auf Schiffe getrieben wurden und dann versenkt wurden war auch grausam. Aber es gibt ja heutzutage das auch noch siehe Nordkorea,islamische Staaten usw.

Freundlichen Gruss Very Happy
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Verfasst am: Fr Okt 25, 2013 7:44 pm    Titel: Ähnliche Themen

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