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Louis XV und die Musik

 
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Minelle
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BeitragVerfasst am: So Jul 07, 2013 10:58 am    Titel: Louis XV und die Musik Antworten mit Zitat

Der Sonnenkönig war ja bekannt für seine Begeisterung für die Musik und die Oper. Wie verhielt es sich mit seinem Nachfolger? Welche Richtung bevorzugte er so?
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Duc de Berry
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BeitragVerfasst am: Mo Jul 08, 2013 8:38 am    Titel: Antworten mit Zitat

Es wird zwar oft geschrieben, dass die Nachfolger die Musik weitaus weniger liebten als der Sonnenkönig.
Was auch sicherlich richtig ist – denn Louis XIV war ein Musikfanatiker, der sogar von Madame de Maintenon ermahnt wurde sich mehr um seine Angelegenheiten zu kümmern.
Alle Bourbonen waren außergewöhnlich musikalisch und zwar auch mit durchaus beeindruckendem Talent.
Philippe d’Orléans, der Regent, war ein begnadeter Komponist. Von ihm ist sogar eine ganze Tragèdie Lyrique (Oper) erhalten: Phétée (wohl 1705 komponiert, jedoch niemals aufgeführt) Aber diese Oper ist absolut auf der Höhe der Zeit komponiert – fast schon avantgardistisch, erinnert doch vieles schon an den frühen Rameau.

Auch Louis XV war hochmusikalisch, von ihm sind sogar einige komponierte Werke erhalten, während sein Großvater alles private, Briefe, Zeichnungen, Kompositionen verbrannte.
Louis XV wuchs mit dem Superintendanten Delalande auf, tanzte auch auf seine Ballette – jedoch ist belegt, dass das „Ballet de Cardenio“ das für den jungen König geschrieben wurde, keinen Anklang bei seiner Majestät fand.
Louis XV bevorzugte und verehrte weiterhin die Musik Lullys – die Musik des Florentiners erfüllte bis zum Tode des Königs den Palast. Für Hochzeiten und Staatsempfänge wurden fast immer die alten Opern gespielt. (Für die Hochzeit des zukünftigen Louis XVI mit Marie Antoinette und zur Eröffnung des neuen Opernhauses „Persée“ von Lully, zur Hochzeit des Grafen von Artois „Bellerophon“ etc.)

Aber natürlich gab es auch zeitgenössische Komponisten die der König schätzte. Das Duo Francoeur und Rebel wurden durch die Tragèdie Lyrique „Pirame et Tisbe“ (1726) berühmt und fanden dann sehr bald Anstellung als Oberhofmeister der Musik.
Die beiden brachten eine ganze Reihe von Opern auf die Bühne in Paris und auch in Versailles. Zudem bearbeitet sie die Werke Lullys, Kürzungen, Ergänzungen, neue Instrumentierungen usw.

Wichtigste Persönlichkeit wurde jedoch Jean Joseph Cassanea de Mondonville, der bevorzugte Komponist der Madame de Pompadour. In Paris berühmt geworden durch seine Sonaten und die „Grands Motets“ für das Concert Spirituel, begeisterte er auch die Königin mit seinen Motetten. Madame de Pompadour gab kleine Divertissements bei ihm in Auftrag, die dann im Theater der kleinen Appartements für den König gegeben wurden.
Die schönsten Divertissements fasste Mondonville dann als „Les Fêtes de Paphos“ zusammen für die Pariser Bühne.
Außerdem schrieb Mondonville "Titon" jenes Werk das für die Anhänger der frz. Oper zum neuen Schlachtschiff wärend des Opernstreits wurde.
Durch die Aufführung von Pergolesis "La serva Padrona" einer ital. Operntruppe wurde die frz. Nationaloper vor allem durch die Aufklärer scharf angegriffen und in Frage gestellt.

Ebenso wichtig war Colin de Blamont, als Maitre de la Chambre du Roi.
In die königliche Kammermusik fanden auch zwei Musiker Eingang, die heute wohl eher bekannt sind: Leclair und Rameau.
Leclair hatte sich aber alsbald mit den Hofmusikern überworfen und quittierte seinen Dienst.

Rameau musste bis in die 1740er Jahre warten, bis der Hof auf ihn aufmerksam wurde und einige Werke bei ihm in Auftrag gab: La Princesse de Navarre , Platée für die Hochzeit des Dauphins. Le Temple de la Gloire auf einen Text von Voltaire zum großen Sieg von Fontenoy und „La Naissance d’Osiris“ zur Geburt des späteren Louis XVI.

In jedem Fall war Louis XV ein Verfechter und Unterstützer der französischen konservativen Oper. Im Buffonistenstreit stellte er sich ganz klar auf die Seite der Lullysten (Anhänger der frz. Nationaloper) – während Madame de Pompadour und die Königin für die italienische Oper Partei ergriffen.
Man versuchte den König sogar davon zu überzeugen, dass die italienische Oper durchaus ihre Qualitäten hatte. So wurden „Le Devin du Village“ des Philosophen Rousseau und „Les Trouquers“ von Dauvergne auch am Hofe gegeben.
Dauvergne wurde zum wichtigsten Musiker in den 1760er Jahren, er war es auch, der Gluck nach paris holte und ihm die Bühne der Academie Royale öffnete.
Als dann die Ouvertüre zu „Iphigenie en Aulide“ erklang, soll er gesagt haben:

„Wenn von dieser Oper der Schlussakkord ertönt, dann ist dies ein für allemal das Aus für die Opern Lullys und Rameaus“
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Minelle
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BeitragVerfasst am: Mi Jul 10, 2013 7:38 am    Titel: Antworten mit Zitat

Wow! Damit kann ich was anfangen. Danke dir für deine Mühe.
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Jul 30, 2013 12:56 pm    Titel: Antworten mit Zitat

"Le Devin de Village" soll Louis XV sehr gemocht haben. Irgendeine Melodie daraus soll er noch danach eine Weile vor sich her geträllert haben. Andererseits würde ich "Le Devin de Village" nicht als italienische Oper verorten. Rousseau ist in seiner Parteinahme für die italienische Oper, wenn ich mich recht entsinne, auch etwas widersprüchlich (wie vielleicht generell). Es scheint mir vielmehr so, als sei nunmal ein Mix aus französischer und italienischer Oper auf dem Vormarsch gewesen, der beide Vorgänger überrollte. Auch DER Komponist italienischer Oper, Hasse, musste das ja schließlich einsehen. Auch in Deutschland wurde mancherorts künstlich die italienische Opera Seria aufrecht erhalten, wo sie nunmal weiterhin den Landesherrn zum größten Bewunderer hatte, während sie nach dem Tod desselben einging.

Die Pompadour selbst trat ja in "Les surprises de l'Amour" von Rameau in zwei Rollen auf und war wohl die Hauptinitiatorin, dass die Oper von Rameau verfasst wurde.

Mich würde die Haltung von Louis XV gegenüber der Musik von Monsigny interessieren.
Leider weiß ich zu wenig von Grétrys Frühwerk, um sagen zu können, ob sich das so revolutionär bereits von der Musik von Rameau und Zeitgenossen unterschied.

Mindestens genauso wichtig wie der Gegensatz zwischen französischer und italienischer Musik, scheint mir der Gegensatz zwischen den aufeinander prallenden Themen. Sollte von nun an, die Handlung ein "realistisches" Abbild der wirklichen Welt sein oder sollten sich weiterhin Helden mit Monstern schlagen und im selben Atemzug Arien den Unholden entgegen schmettern?
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Verfasst am: Di Jul 30, 2013 12:56 pm    Titel: Ähnliche Themen

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Minelle
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BeitragVerfasst am: Mi Sep 11, 2013 11:48 am    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Opernwettstreit war mir neu, klingt interessant und wird sich in meinem Roman sicher gut verwerten lassen.
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Duc de Berry
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BeitragVerfasst am: Sa Okt 05, 2013 4:58 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Das die Opera Comiques natürlich frz. Opern sind, ist ja klar, ich bezog das eher auf Thematik und musikalische Gestaltung – man hatte ja versucht die Form der Opera Buffa, der Intermezzi ins frz. zu Übertragen.
Denkt man an dauvergne Les Troqueurs, dann sieht man auch sofort welche Zugeständnisse an den frz. Geschmack geleistet wurde: es gibt ja ein recht umfangreiches Ballett.

Monsigny war ja mehr oder weniger ein erklärter Feind Rameaus – er hielt ja nicht hinter dem Berg damit, dass er diese Werke als „nicht besonders gelungen“ empfand. Er war ja auch Mitglied der italienischen Partei, die polemische Schriften gegen die Academie Royale verfasste.

Louis XV hatte einen eher konservativen Geschmack und protegierte die frz.Partei um Francoeur und Rameau, allein aus dieser Perspektive ist da eher ein distanziertes Verhältnis.

Monsigny gehörte zudem noch zum Klüngel des Herzogs von Orlèans, wo es ja Tradition ist, in Opposition zum Königshaus zu gehen.
Er war in dessen Haushalt „Maitre d’hotel“ – Monsigny wurde aufgrund dessen Tätigkeiten im Haushalt des Herzogs von der Gegenseite auch nicht wirklich als Komponist ernst genommen (was natürlich keine ernsthafte Grundlage hatte)
Immerhin hatte er bei diversen Komponisten studiert und stand Gretry freundschaftlich nahe, der seine Musik sehr schätzte.
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Brissotin
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BeitragVerfasst am: Di Okt 15, 2013 9:27 am    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank, mein lieber Duc, für die Ausführungen zu Monsigny. Dummerweise habe ich ihn wegen seiner Musiksprache immer deutlich nach Rameau verortet. Seine frühen Werke fallen aber noch in Rameaus Lebzeiten („Les Aveux indiscrets“). Er ist auf jeden Fall noch ein Mosaiksteinchen mehr für mich, die musikalische Welt zu Zeiten von Louis XV mir zu erschließen. Very Happy

Wobei es doch seltsam ist, dass Monsignys „La reine de Golconde“ trotz seiner kritischen Position zur Academie Royale bspw. an derselben 1766 uraufgeführt wurde.
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Duc de Berry
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BeitragVerfasst am: Sa Okt 26, 2013 4:18 am    Titel: Antworten mit Zitat

Dass mit dem Zugang zur Academie war ab 1750 wohl nicht mehr so heikel, wie die Jahrzehnte zuvor.
Das ganze Unternehmen war durch den Buffonistenstreit stark in die roten Zahlen gekommen - schon vorher kränkelten die Finanzen und da auch streckenweise echt inkompetente Leute am Ruder waren, kann man die Academie kaum mehr mit der Institution unter Louis XIV vergleichen.

Was da teilweise für ein Müll gegeben wurde..... um den betrieb überhaupt am leben zu halten machte den Großteil des Spielplans ja stets uralte Werke von Lully, Campra und dann Rameau aus.
Später wurde die Academie ja auch stärker für Ausländer geöffnet, Piccinni, Sacchini, Gluck, Salieri - ich denke irgendwann sind auch die alten Lullisten ausgestorben: spätestens im Laufe der 30er Jahre - und dann wurde ja auch alsbald Rameau als Abgott akzeptiert.

In Paris hatte sich zudem längst eine alternative Musikszene etabliert, so dass man auch nicht mehr unbedingt auf die Academie angewiesen war (bestes Beispiel Gretry)
Aber mich wundert nach wie vor, mit wieviel Unwissen und Blauäugigkeit Mozart nach Paris gekommen ist... aber das ist ein anderes Thema
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Verfasst am: Sa Okt 26, 2013 4:18 am    Titel: Ähnliche Themen

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