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Louis XVI. und die Generalstände

 
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Lolo
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BeitragVerfasst am: So Apr 06, 2008 11:57 am    Titel: Louis XVI. und die Generalstände Antworten mit Zitat

Wie bewertet ihr Louis' Verhalten zur Zeit der Generalstände?
Hätte er die Vertreter des dritten Standes empfangen sollen und die Etikette, nach der diese hätten vor ihm knien müssen, ausser Acht lassen? Hätte er sich mehr in die Debatten zwischen den Ständen einmischen sollen, oder gar persönlich als eine Art Schlichter auftreten müssen, anstatt eine Schlichtungskomission einzusetzen?
War es falsch nach gut einem Monat Versailles zu verlassen und die Verhandelnden sich selbst zu überlassen? Und hätte er nach Ausrufung der Nationalversammlung militärisch eingreifen sollen?
Oder hatte er nach seinem Verständnis gar nicht anders handeln können?



Lolo
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LaFrance
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Anmeldedatum: 05.04.2008
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BeitragVerfasst am: So Apr 06, 2008 6:17 pm    Titel: Re: Louis XVI. und die Generalstände Antworten mit Zitat

Lolo hat Folgendes geschrieben:
Wie bewertet ihr Louis' Verhalten zur Zeit der Generalstände?


Zunächst meine ich, es war ein Fehler, es soweit kommen zu lassen, die Generalstände einzuberufen. Er hat über Jahre hinweg immer wieder den parlements nachgegeben, sie zwar hin und wieder entlassen, sie jedoch dann bald wieder zurückgerufen. Dies wurde ihm ganz klar als Schwäche ausgelegt, als Folge wurden die parlements immer aufsässiger. Durch dieses wiederholte Nachgeben verspielte Louis jedes Mal ein Stückchen seiner absolutistischen Macht.

Lolo hat Folgendes geschrieben:
Hätte er die Vertreter des dritten Standes empfangen sollen und die Etikette, nach der diese hätten vor ihm knien müssen, ausser Acht lassen?


Er hat da seiner Natur entsprechend gehandelt, so nach dem Motto „Niemanden vor den Kopf stossen“. Dass er die Anzahl der Mitglieder des 3. Standes verdoppelt hat, so dass der 3. Stand gleichviel Vertreter aufwies wie der 1. und 2. zusammen, war gut, zumal er wusste, dass er den 1. und 2. Stand nicht hinter sich hatte. Allerdings hätte er dann auch eine Kopfabstimmung sämtlicher Vertreter deklarieren sollen, doch soweit wollte er nicht gehen. Auch dass die Einberufung der Generalstände nach alten überholten Traditionen vor sich ging, ist wohl darauf zurückzuführen, dass er Adel und Klerus nicht vergrätzen wollte. Beim 3. Stand hätte er wohl stark Punkte gesammelt, wenn er ihrer Forderung, zusammen mit den beiden anderen Ständen beraten zu dürfen, zugestimmt hätte. Doch auch hier gab er wieder Adel und Klerus nach, die dergleichen als unzumutbar ablehnten. Seit der letzten Einberufung der Generalstände waren mehr als 100 Jahre vergangen, so dass er eigentlich freie Hand bei der Durchführung gehabt hätte – jede Änderung seit damals wäre legal gewesen. Doch dadurch, dass er versuchte, es allen recht zu machen, machte er es keinem recht.

Lolo hat Folgendes geschrieben:
Hätte er sich mehr in die Debatten zwischen den Ständen einmischen sollen, oder gar persönlich als eine Art Schlichter auftreten müssen, anstatt eine Schlichtungskomission einzusetzen?


Die Generalstände hatten die Aufgabe, Lösungen vorzuschlagen für die Probleme des Landes und hatten eigentlich Beratungsfunktion. Die Entscheidungsgewalt lag immer noch bei Louis. Als Schlichter hätte er völlig anders auftreten müssen, um ernst genommen zu werden. Er hatte bereits viel zu viel seiner königlichen Autorität verspielt.


Lolo hat Folgendes geschrieben:
War es falsch nach gut einem Monat Versailles zu verlassen und die Verhandelnden sich selbst zu überlassen?


Es ist menschlich nachvollziehbar; der Dauphin war gestorben. Doch dadurch, dass Louis sich seiner Trauer hingab, stellte er sich als politisch schwachen Herrscher dar, dem die Familie wichtiger als sein Land ist – und wieder war ein Stück Macht verloren. Wäre er geblieben, hätte er auch die Möglichkeit gehabt, rechtzeitig eingreifen zu können.

Lolo hat Folgendes geschrieben:
Und hätte er nach Ausrufung der Nationalversammlung militärisch eingreifen sollen?


Das hätte wohl jeder seiner Vorgänger gemacht, sein Nachfolger Napoléon auch. Doch Louis hatte bei seiner Krönung in Reims geschworen, ausser in Kriegen nie französisches Blut vergiessen zu wollen und nahm diesen Schwur, den er als gesalbter König von Gottes Gnaden abgelegt hatte, sehr ernst.

Lolo hat Folgendes geschrieben:
Oder hatte er nach seinem Verständnis gar nicht anders handeln können?


Louis wäre zu ruhigeren Zeiten sicher ein guter König gewesen, doch mit diesem Erbe und in einer Zeit der Umwälzungen hätte es einen viel durchsetzungsfähigeren Herrscher gebraucht. Louis wollte un bon roi für sein Volk sein, war auch an Reformen und Neuerungen interessiert, doch er sah sich selbst stets als Vater seiner Bürger, die er hin und wieder mal milde tadelt; ein Herrscher, der seine Meinung unbeirrt durchsetzt, war er nie.
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Lolo
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BeitragVerfasst am: Mo Apr 07, 2008 4:27 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich verstehe auch nicht, was das mit der Verdopplung der Teilnehmer (des dritten Standes) sollte, wenn die Stimmabgabe dann doch nur geeint als Stand möglich war. So hatte es zum Ergebnis lediglich die Tatsache, dass es doppelt so viele Menschen vor Ort gab, die dem Monarchen nicht gut gesinnt waren.
Er hätte auch die Rede von Mirabeau am 23. Juni nach der königlichen Sitzung unterbinden müssen oder zumindest nochmal zurückkehren und persönlich reagieren müssen, denn zu diesem Zeitpunkt gerieten die Dinge ausser Kontrolle. Nach wie vor halte ich es auch für einen Fehler, der Idee der Nationalversammlung nachzugeben und sogar noch den Adel dazu zu bewegen, dieser beizutreten. Ich weiss nicht, inwiefern er sich überhaupt der möglichen Folgen bewusst war, oder ob man sich als Monarch beim besten Willen einen solchen "Umsturz" nicht vorstellen kann. dontknow


Lolo
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Verfasst am: Mo Apr 07, 2008 4:27 pm    Titel: Ähnliche Themen

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