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Septembermassaker 1792

 
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Mi Jun 08, 2011 9:00 am    Titel: Septembermassaker 1792 Antworten mit Zitat

Haben wir etwa tatsächlich noch keinen Thread zu diesen schlimmen Ereignissen im September 1792 ? Shocked


In Paris dauerten die Septembermassaker eigentlich "nur" bis zum 6./7. September an. Die Gewalt breitete sich jedoch von Paris aus in den darauffolgenden Tagen auch in der Provinz und übers ganze Land aus...

Am 9. September erfolgte das Massaker von Versailles, dem u.a. der Herzog von Cossé-Brissac, ein Freund der Gräfin du Barry, zum Opfer fiel.
Dieser befand sich unter 52 Häftlingen, die vom Gefängnis in Órléans über Versailles nach Paris überführt werden sollten, um ihnen dort den Prozess zu machen.
Der Gefangenenkonvoi wurde von der Nationalgarde von Marseille, unter der Führung von Claude Fournier-L'Héritier, genannt Fournier l'Américain, eskortiert.

Als der Gefangenentransport gerade Versailles passierte, wurden sie an der Kreuzung Des Quatre-Bornes von einer mordlustigen Menge aufgehalten. Man forderte die Herausgabe der Gefangenen.
Charles-Jean-Marie Alquier, Präsident des Strafgerichts von Seine-et-Oise und Hyacinthe Richaud, amtierender Bürgermeister von Versailles, versuchten, die Auslieferung der Gefangenen zu verhindern, damit diese sicher nach Paris gebracht werden können.

Doch die Meute setzte sich über die Anweisungen der Offiziellen hinweg, es begann ein Gemetzel. 44 der Gefangenen wurde getötet und brutal zugrichtet.
Darunter waren auch:
- Louis Hercule Timoléon de Cossé-Brissac (Freund der Madame du Barry und Chef-Kommandant der Garde des Königs in 1791)
- Claude Antoine de Valdec de Lessart (ehemaliger Innenminister und Marineminister, ab 1791 Außenminister) und
- Charles-Xavier Franqueville d'Abancourt (Kriegsminister bis 10.08.1792).

Acht der Gefangenen konnten fliehen.

Die Köpfe der Getöteten wurden an den Gitterstäben des Versailler Schlosses aufgespießt. Den blutüberschmierten Kopf des Duc de Brissac-Cossé brachte man später zum Anwesen der Madame du Barry und warf ihn ans Fenster ihres Salons.


Noch am gleichen Abend begaben sich die Mordlustigen zu den Écuries de la Reine, wo zwischenzeitlich die Haftanstalt von Versailles untergebracht war. Dort tötete man 13 Gefangene.
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Zuletzt bearbeitet von MariaAntonia am Mi Jun 08, 2011 2:36 pm, insgesamt einmal bearbeitet
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eliasdo
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BeitragVerfasst am: Mi Jun 08, 2011 2:08 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ja das war ein ganz ganz dunkles Kapitel während der Revolution. Ein reiner Blutrausch in den die Meute da verfallen ist! Es wurden ja immerhin nicht nur Angehörige von Adel und Klerus gelyncht, sondern auch alle anderen, die bei der Erstürmung diverser Gefängnisse vorgefunden wurden. Soviel dann zur fraternité....

Auch MA's Freundin und Gouvernante ihrer Kinder, die Princesse de Lamballe, war ja unter den Opfern und ihr Kopf wurde auf einer Pike (wie auch immer man die grade schreibt) am Fenster der Königin im Temple vorbeigetragen
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Finn
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 10, 2011 1:00 am    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist schon furchtbar zu lesen, dass sich viele Bürger in so einen Blutrausch hineinsteigern konnten. Den Kopf ihrer Freundin sehen zu müssen, musss MA vor Augen geführt haben, wie ernst die Lage wirklich ist und das die Menge absolut keine Skrupel hat. Manchmal frage ich mich, ob so ein Blutrausch auch heute noch in Europa möglich wäre. Gott bewahre, aber schon eine interessante Fragestellung, finde ich.
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 10, 2011 9:06 am    Titel: Antworten mit Zitat

Mit einer ähnlichen Frage beschäftigte sich ja auch der Film "Das Experiment", wo ein Knast simuliert wurde und Normalbürger in zwei Gruppen geteilt wurden: Inhaftierte ohne Macht, Aufseher mit Macht. Das ist bekanntlich ausgeartet, weil die Mächtigen in ihrem Rausch über die Strenge schlugen.

Ich denke, die Menschheit ist zu beeinflussbar und zu schwach, um frei von solchen Machtlenkungen zu sein.
Es passiert doch im Kleinen jeden Tag: wir glauben alles, was in der Presse geschrieben wird, verurteilen sofort denjenigen, der in den Medien als schlecht hingestellt wird und hinterfragen nie.
Solange die, die uns lenken, keine bösen Absichten haben, geht das ja auch gut. Gerät aber eine solche Macht über die Menschen in die Hände von Kriminellen - wie zu Nazizeiten - , dann wird es gefährlich, vor allem wenn dies dann noch mit Angst und Schrecken gepaart wird und der Gruppenzwang hinzukommt.

Heute sind wir eigentlich besser informiert als im 18. Jahrhundert. Das Beeinflussen funktionierte damals sicherlich noch besser, weil keiner mal schnell bei google suchen konnte, was dahintersteckt.
Ich denke aber dennoch, dass auch heute noch solche Situationen auftreten können, ich denke da an eskalierende Massendemos.
Könnt ihr euch an den Polizisten erinnern, der als Zivilist vermummt an einer gewalttätigen Demo teilgenommen hat ? Unerkannt und im Schutze der Menge ist der Mensch mMn zu allem fähig.


Ich habe gelesen, dass bei den Septembermorden nur ein Bruchteil der Getöteten zu der Gruppe gehörte, auf die es das mordende Volk eigentlich abgesehen hatte, also Adlige und Kirchliche.
Der Großteil waren einfache Inhaftierte, die gar keine Gegner der Revolution waren. Man hat einfach alles abgemetzelt, was sich in den Gefängnissen befand... unglaublich ! Shocked


Aus dem Thread "Glück im Unglück" habe zitiere ich zu den Septembermassakern mal noch die Geschichte der Mademoiselle de Sombreuil, die mich immernoch rührt:

MariaAntonia hat Folgendes geschrieben:
Ich habe soeben von einem weiteren Schicksal während der Frz. Revolution gelesen.
Es ist gleichzeitig die Geschichte einer Heldin.

Sie wurde Mademoiselle de Sombreuil genannt.
Ihr richtiger Name war Marie-Maurille Virot de Sombreuil; sie kam 1774 als Tochter von Charles- Francois Virot, Marquis de Sombreuil (Lagermarschall und Gouverneur) zur Welt.

Was ihr während der Zeit der Septembermorde 1792 widerfuhr, habe ich heute in der Sammlung "Briefe aus der Frz. Revolution I + II" gelesen:

Ihr Vater war ein Royalist und verteidigte am 10.08.1792 die Tuilerien.
Er, sein Sohn Stanislas und die Tochter, Mademoiselle de Sombreuil, wurden wenige Tage später verhaftet und in Gefängnis Abbaye de Port-Royal gebracht.
Während der Septembermorde kam auch der Vater vor die "Volksjustiz", die bekanntlich die Princesse de Lamballe bestjalisch tötete sowie viele andere Menschen auch.
Mademoiselle de Sombreuil war anwesend, als vor ihrem Vater gerade ein Monsieur de Saint-Mart schnell abgeurteilt und in die tödlichen Hände des Volkes übergeben wurde: die Meute tötete den Mann mit einem Hieb, der seinen Schädel spaltete.
Mademoiselle de Sombreuil, deren Vater der Nächste war, stellte sich mutig vor ihn, um ihn zu schützen. Sie kämpfte erbittert um das Leben des Marquis, erlitt dabei einige Verletzungen. Um nicht vom Vater getrennt zu werden, schlang sie ihre langen Haare um dessen Arm.
Die schöne und mutige Dame rührte dadurch endlich die Gemüter der Mörder und man ließ von ihr und ihrem Vater ab.
Da sie schwor, ihr Vater sei kein Royalist, nahm einer der Anwesenden einen Kelch, füllte ihn mit dem Blut des vorher getöteten M. de Saint-Mart, vermischte das Blut mit Rotwein und Pulver und gab es Mademoiselle de Sombreuil zu trinken. Wenn sie mit dem Gemisch auf das Wohl der Nation tränke, könne sie ihren Vater retten.
Mademoiselle de Sombreuil tat es, rief "Vive la Nation!" aus, trank den Kelch aus und beschützte so den todgeweihten Vater.

Mademoiselle de Sombreuil litt ein Leben lang unter diesen schrecklichen Erlebnissen. Sie rasierte sich die Haare ab, erlitt höllische Schmerzen, wenn ihr Haar zu lang wurde, und erlebte beim Anblick von Rotwein die Schreckensbilder immer wieder.

Leider überlebte der Marquis de Sombreuil die Heldentat seiner Tochter nur um 2 Jahre:
Ende Dezember 1793 wurden er und Mademoiselle de Sombreuil erneut verhaftet.
Ihr Bruder Stanislas François Antoine Virot de Sombreuil (* 1768) kam ebenfalls in Haft - er hatte die Tuilerien bereits beim Ersten Sturm am 20.06.1792 verteidigt. Im September 1793 wurde er im La Force-Gefängnis inhaftiert und im Dezember 1793 mit dem Vater und seiner Schwester im Abbaye-Gefängnis zusammen eingesperrt.
Vater und Sohn wurden am 10.07.1794 auf der heutigen Place de la Nation hingerichtet.

Nach dem Sturz Robespierres wurde Mademoiselle de Sombreuil aus der Haft entlassen.
Ihr zweiter Bruder, Charles Eugène Gabriel de Virot de Sombreuil (* 1770), hatte bei den Chouans mitgekämpft und wurde am 28.07.1795 hingerichtet.

Mademoiselle de Sombreuil heiratete am 23.07.1796 in Paris, in der Kirche Saint Roch, den Comte de Villelume (1757-1837), einen Emigranten.
Ihrem Sohn erzählte sie später von den Erlebnissen während der Septembermorde. Dieser schrieb die Erzählung nieder.
Am 15.05.1823 starb Mademoiselle de Sombreuil in Avignon.



(Mademoiselle de Sombreuil, von Delpech, 1840)






(Pierre Puvis de Chavannes: Mademoiselle de Sombreuil buvant un verre de sang pour sauver son père)
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Verfasst am: Fr Jun 10, 2011 9:06 am    Titel: Ähnliche Themen

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Trianon
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 10, 2011 10:23 am    Titel: Antworten mit Zitat

Die Septembermorde sind wohl eines der traurigsten Kapitel der Geschichte. Soo viele Menschen mussten so grausam sterben - da war ja der Tod durch die Guillotine noch "erstrebenswerter". Da wurde man wenigstens nicht davor gequält...

Danke noch einmal für die Geschichte dieser Mademoiselle, es stimmt es ist wirklich unglaublich berührend. Umso erstaunlicher eigentlich dass sie danach geheiratet hat und doch wieder in ein "normales" Leben zurückgefunden hat...
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Henri Sanson über Mme Élisabeth
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Finn
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 10, 2011 10:31 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, es gab auch einen ähnlichen Film mit Jürgen Vogel, ich glaube, der heißt "Die Welle". Da wird die Machtergreifung der Nazis in einer Schule simuliert und das gerät dann auch außer Kontrolle. Die Septembermorde werden wohl immer ein Symbol dafür sein, wie schnell Menschenmassen sich beeinflussen lassen können.

Das Schicksal von Mme de Sombreuil ist wirklich erschütternd. Wahrscheinlich ist auch immer etwas Romantik mit drin, aber eine wirklich mutige Frau.
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MariaAntonia
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 10, 2011 10:35 am    Titel: Antworten mit Zitat

Da ich mich seit 2006 beruflich mit der Diagnose "Posttraumatische Belastungsstörung" (PTBS) auseinandersetze und diese strikte Voraussetzungen verlangt, muss ich bei gemeldeten Fällen irgendwie immermal an die Geschichte der Mademoiselle de Sombreuil denken. Sie hatte mit Sicherheit eine feste PTBS - Ereignis (bewusste Bedrohung des eigenen und des Vaters Lebens) sowie die nachfolgenden Symptome ("Sie rasierte sich die Haare ab, erlitt höllische Schmerzen, wenn ihr Haar zu lang wurde, und erlebte beim Anblick von Rotwein die Schreckensbilder immer wieder.") sind ein trauriges "Vorzeigebeispiel" für diese moderne Diagnose, deren Diagnostizierung heutzutage leider viel zu leichtfertig und vorschnell erfolgt.

Da ich viele Menschen erlebt habe, die unter einer PTBS leiden, glaube ich nicht, dass die Arme ein normales Leben leben konnte.


@ Finn:
Ja, "Die Welle", stimmt, der thematisiert diese Massenbeeinflussung auch.
Hab ihn zwar nicht gesehen, aber der Hype um diesen Film war recht groß.
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Finn
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 10, 2011 7:13 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann mir gut vorstellen, dass sie mit posttraumatischen Störungen zu kämpfen hatte. Damals gab es ja bestimmt noch keine guten Therapiemöglichkeiten, von daher hatte sie sicherlich keine Gelegenheit, ihre Erlebnisse während den Septmebermorden und der Revolution mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten. Von so schrecklichen Einzelschicksalen zu hören, finde ich immer besonders traurig. Sad

Ich habe den Film auch nicht gesehen, bereue es aber schon fast. Er beschäftigt sich mit genau dieser Problematik, nur in unserer Zeit.
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Verfasst am: Fr Jun 10, 2011 7:13 pm    Titel: Ähnliche Themen

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